Sag mal Eva, wofür engagierst du dich?

Gespeichert von Mirjam Mieschendahl am 23. Januar 2015 - 14:14
Tags: Lieblingsnachbarn

Eva ist nicht nur eine Nachbarin bei FragNebenan, sondern engagiert sich auch im Stuwerviertel für die Bürgerinitiative ‚Kaiserwiese für Alle!'. Damit ist sie genau die Richtige, um zu erzählen, wie es ist, sich gemeinsam mit anderen Nachbarinnen und Nachbarn für etwas einzusetzen.

Kannst du uns als Erstes beschreiben, wo sich die Kaiserwiese befindet und was da los ist?

Die Kaiserwiese ist die Grünfläche direkt beim Eingang in den Prater wenn man vom Praterstern kommt. Gleich dahinter steht das Riesenrad.

Was da los ist? Laut Widmung ist die Kaiserwiese eine Park- und Erholungsfläche, also eine öffentliche Wiese für uns alle, zum Spazieren, Picknicken oder was auch immer. Früher fanden auf der Wiese auch ab und zu mal ein Konzert oder eine kleinere Veranstaltungen statt. Und früher hat’s dort so ausgeschaut, wie auf dem Foto.

Seit ein paar Jahren wird die Wiese jedoch immer öfter durch Großveranstaltungen belegt und in letzter Zeit sogar durch mehrwöchige bzw. -monatige Events wie die Wiener Wiesn und jetzt den Palazzo. Einerseits ist die Wiese dadurch für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich (die Events sind ja alle kostenpflichtig). Und andererseits geht der Rasen durch die übermäßige Nutzung total kaputt. Derzeit ist’s eine einzige Schlammwüste, wie man auf dem unteren Foto sieht. Als Parkfläche ist die Kaiserwiese dadurch so gut wie nicht mehr nutzbar – oder wer legt sich schon gerne in diesen Schlamm?! Und uns AnwohnerInnen geht ein Stück Lebensqualität verloren.

 

Was ist deine Befürchtung, wie es mit der Kaiserwiese weitergeht?

Vom Bezirksvorsteher haben wir erfahren, dass die Kaiserwiese im Frühjahr in einen Schotterrasen umgewandelt werden soll. Ein Schotterrasen ist eine dicke Schotterpackung mit ein bissl Gras dazwischen. Üblicherweise verwendet man solch einen Bodenbelag für Parkplätze oder Veranstaltungsflächen, da er sehr robust ist und auch Dauerbelastungen aushält. D.h. die Wiese geht als öffentliche Parkfläche verloren (auf einem Schotterrasen will niemand picknicken!) und wird zur Event Location, die an Großveranstalter vermietet wird (im Internet wird die Kaiserwiese bereits entsprechend beworben).

Was hat dich jetzt dazu bewogen selber aktiv zu werden und dich mit anderen Nachbarinnen und Nachbarn zu einer Bürgerinitiative zusammenzuschließen?

Während meiner fast täglichen Hunde-Spaziergänge im Prater habe ich während der letzten Jahre mitverfolgen müssen, wie diese wunderbare Wiese sukzessive zerstört wurde. Und nicht nur diese Grünfläche, auch mehrere andere Flächen im und am Rande des Praters verschwanden, weil sie bebaut (entlang der Ausstellungsstrasse oder bei der Trabrennbahn) oder gerodet wurden (Sportplatz bei der Meiereistrasse).

Irgendwann hat’s mir dann gereicht. Das ist der GRÜNE Prater, ein Wahrzeichen von Wien, mein(!!) Garten! Ich will, dass der grün bleibt! Sorry, aber wie kann man nur so kurzsichtig sein und in einer Großstadt Grünflächen vernichtet?!

Glücklicherweise gab’s hier in der Nachbarschaft viele Gleichgesinnte und so haben wir die Bürgerinitiative Kaiserwiese für Alle ! gegründet. Jetzt kämpfen wir alle zusammen um den Erhalt dieser Grünfläche. Das ist zwar manchmal etwas ‚zaach’, andererseits tut’s aber auch gut mitzuerleben, welche Kräfte man aktivieren kann, wenn man sich mit seinen Nachbarinnen und Nachbarn zusammentut.

Wie schaut konkret deine Arbeit bei der Bürgerinitiative aus? 

Ganz viel Recherche, was denn da abgeht. Weil das ist ja alles nicht offiziell. Z.B. die Info zum Schotterrasen, die ist dem Bezirksvorsteher während einer hitzigen Diskussion nur rausgerutscht. Außerdem andere Menschen informieren und sich vernetzen. Briefe an PolitikerInnen und verantwortliche Magistrate etc. schreiben. Und natürlich vor allem Unterschriften sammeln. Denn je mehr BürgerInnen aufbegehren, desto mehr wird das Thema zum Politikum und desto eher können wir etwas bewirken.

Du hast einen Hund und bist deshalb auch in Praternähe gezogen. Du hattest erwähnt, dass du sogar mit dem Gedanken spielst wegzuziehen, warum? 

Ja, ich habe einen Hund. Aber ich habe ihn nur zu mir genommen, weil ich am Prater wohne. Hätte ich keine so große Grünfläche vor der Tür,  hätte ich das nie gemacht!  Wenn diese Grünfläche verschwindet, ja, dann werde ich auch weggehen. So leid es mir um das Grätzel täte. Denn ich bin vor 10 Jahren ganz bewusst hierher gezogen und liebe das Stuwerviertel – wegen der Umgebung aber auch wegen der vielen netten und noch sehr normalen Menschen hier.

Wie kann man euch unterstützen?

Am einfachsten durch eine Unterschrift.

Auf Facebook  gibt’s die Gruppe Kaiserwiese für Alle ! (https://www.facebook.com/groups/340407559459205). Dort kann man sich eine Unterschriftenliste runterladen, unterschreiben (und viele Bekannte auch) und dann abgeben bei (Postkasten vorhanden) bzw. schicken an:

Atelier Synkoop, Venediger Au 4 (Eingang Arnezhoferstrasse), 1020 Wien  

Dort kann man auch unterschreiben oder Unterschriftenlisten bekommen. Außerdem liegen in vielen Lokalen in der Umgebung Unterschriftenlisten aus. Man kann aber auch aktiv mitmachen. Einfach bei uns melden, via Facebook oder per mail (kaiserwiesefueralle@gmail.com) oder anrufen (+43 650 644 03 64). Jede Art von Unterstützung ist willkommen!

 

Vielen Dank Eva dafür, dass du unsere Fragen beantwortet hast. 

 

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Kommentare

Ich hab sowieso den Eindruck, dass der Bezirksvorstehung der Grüne Prater vollkommen egal ist. der wird immer kleiner und es werden irr viele Häuser (Wohn und Firmen) gebaut, dauernd zig Bäume gefällt (wie erst letztes Jahr im Bereich Meiereistrasse/Prater Hauptalle), welche durch Kunstrasen für einen Sportplatz ersetzt wurden. Als nächstes ist dann auch die Krieau dran, usw. usf... Das Grün wird immer weniger. Irgendwie sollten wir da alle viel mehr dran sein, und mit diesem Scharlatan mal richtig reden. so kanns nicht weiter gehen... :(

Ganz genau!!! Darum geht's, nicht nur um die Kaiserwiese. Die ist nur eines von vielen Beispielen.
Wir (Bürgerinitiative) haben versucht mit dem Bezirksvorsteher, Herrn Hora, zu reden. Er blockt ab, ist unhöflich, unsachlich und einfach - ich sag's mal höflich - kein sehr kooperativer Mensch. Aber inzwischen scheint er recht gestresst zu sein durch unsere Initiative, die zahlreichen Briefe, die wir ihm schicken, die Medienbericht etc. Also vielleicht lässt sich ja doch etwas erreichen.

Ist ja kein Wunder wenn er abblockt und unkooperativ ist. der nützt das kommerziell aus. Die kassieren von den Veranstaltern gigantische Beträge wo auch vieles in das private sackerl fließt. So ein Zubrot muss man doch verteidigen......oder nicht?