Fragt Liesing! BV Bischofs Antworten

Gespeichert von Chronik-Redaktion am 19. Februar 2018 - 13:52
Tags: Stadt gestalten

Portrait Gerald Bischof

Fragt Liesing! Bezirksvorsteher Gerald Bischof beantwortet die Fragen der Nachbarinnen und Nachbarn, gibt einen kurzen Rückblick auf 2017 und Ausblick auf 2018:

 

Warum werden gerade im 23. Bezirk so viele Neubauten gebaut? Zumeist sind sie zudem höher als die umstehenden Häuser und ab dem ersten Stock werden auch die Gehsteige überbaut.

Die Nachfrage nach modernen und gleichzeitig auch leistbaren Wohnungen speziell auch in Liesing ist nach wie vor groß. Gleichzeitig ist leider zu beobachten, dass die Preisvorstellungen von Eigentümern größerer Liegenschaften sehr oft extrem hoch sind. Um die Wohnungspreise trotzdem noch in einer erträglichen Größenordnung zu halten ist es für die Bauträger fast unumgänglich etwas höher zu bauen um die Grundstückskosten damit auf mehr Wohnungen aufteilen zu können. Aber auch der wirtschaftliche Strukturwandel macht vor Liesing nicht halt. Der Bezirk ist zwar mit rund 5.000 ansässigen Betrieben, die Arbeitsplätze für 55.000 Menschen schaffen, ein florierender Wirtschaftsstandort, gleichzeitig gibt es aber auch Bereiche wo Firmen schon vor langer Zeit abgesiedelt sind und die sich jetzt als unschöne Industriebrachen zeigen. Vor allem das Areal zwischen der Südbahntrasse und der Breitenfurter Straße in Atzgersdorf entwickelt sich daher von einem ehemaligen Industriestandort hin zu einem neuen Wohnquartier.

 


Bezirksvorsteher Gerald Bischof beantwortet die Fragen der FragNebenan-Nachbarn. Copyright: BV23


Können wieder alle Züge in Liesing stehenbleiben um die Verkehrssituation zu entlasten?

Im September 2016 konnte eine Intervallverdichtung erreicht werden. Seit damals fahren an Werktagen von 6 bis 9 Uhr und 15 bis 19 Uhr zwei zusätzliche S-Bahn Garnituren pro Stunde ab Liesing. Damit sind in den Spitzenzeiten bis zu 10 Züge, ansonsten mindesten 6 Züge pro Stunde unterwegs. Der Halt zusätzlicher Regionalzüge wäre sehr wünschenswert, die ÖBB schließen das aus fahrplantechnischen Gründen allerdings leider aus.



Wie sieht das künftige Verkehrskonzept öffentlich sowie PKWs für Bewohner des 23. Bezirks aus? Und: Wird es eine Direktverbindung nach Vösendorf bzw. Hennersdorf geben? Gabi und 6 Nachbarn

Speziell das Busnetz wird gemeinsam mit den Wiener Linien regelmäßig evaluiert und wenn erforderlich adaptiert. So wurden z.B. mit Inbetriebnahme der U1 Verlängerung nach Oberlaa zwei neue Buslinien in Betrieb genommen die für große Teile des Bezirks jetzt auch eine direkte Erreichbarkeit der U1 ermöglichen. Derzeit ist eine neue Buslinie in Planung die Atzgersdorf direkt und rasch an die U4 Station Hietzing anbindet. Und in Zusammenarbeit mit der ÖBB wird an einem Konzept gearbeitet um mittelfristig eine zusätzliche S-Bahnstation in der Nähe der Kirchfeldgasse zu errichten. Beim Autoverkehr gibt es etliche punktuelle Möglichkeiten. Speziell die Optimierung der Ampelschaltungen und die bauliche Umgestaltung stark frequentierte Kreuzungen hilft Stausituationen zu reduzieren. Insgesamt ist der hohe Anteil des Pendlerverkehrs aus dem Umland eine große Herausforderung, ohne dem sich Liesings Straßen in einem völlig anderen Bild zeigen würden. Hier bleibt leider nach wie vor speziell Niederösterreich viele Antworten schuldig. Eine deutliche Verbesserung des ÖV-Angebotes könnte sicher viele Auto-Pendler zum Umsteigen motivieren. Vösendorf und Hennersdorf sind meines Wissens mit zwei Buslinien (266, 268) an die U6 Siebenhirten angebunden. Ein Blick auf den Fahrplan zeigt aber auch hier die vorhin beschriebenen Schwächen.     

 

Was wird getan, um neue Ärzte, Lokale und Kindergärten anzusiedeln?

Wir arbeiten konsequent an der Erweiterung der Bildungsinfrastruktur im Bezirk. So haben z.B. allein in den letzten 15 Monaten fünf neue Kindergärten ihren Betrieb aufgenommen. Und auch im Schulbereich tut sich viel. Die Planung von Neubauten ist bereits weit fortgeschritten und die großzügige Erweiterung und Modernisierung bestehender Schulstandort ist im Laufen.

Bei den Ärzten gibt es eine enge Zusammenarbeit mit der Wiener Gebietskrankenkasse, da es hier vor allem auch um niedergelassene Ärzte mit Kassenverträgen geht. Neue Kassenplanstellen sind bereits ausgeschrieben und ein möglicher zusätzlicher Bedarf wird regelmäßig hinterfragt und darauf reagiert. Bei den Lokalen können wir zwar bei den Planungen darauf einwirken, dass neue Geschäfte vorgesehen werden, dann allerdings Betreiber zu finden ist nicht immer einfach. Ziel ist und bleibt aber auch in einem flächenmäßig so großen Bezirk wie Liesing gute Nahversorgungsangebote zu haben. Das deckt sich nur leider manchmal nicht mit den wirtschaftlichen Interessen speziell der großen, bekannten Firmen.   



Was wird getan, um die Parkplatzsituation entlang der U6 zu verbessern? Und warum gibt es im Umfeld von Alterlaa so wenige Parkplätze?

Hauptursache des Problems ist die große Zahl von parkenden Pendlern. Die einzige realistische Möglichkeit die Situation zu entschärfen wäre wohl die Einführung des Parkpickerls. Wir haben daher bereits vor einiger Zeit intensiv über dieses Thema diskutiert. Angedacht waren Kurzparkinseln rund um die S-Bahnstationen in Liesing und Atzgersdorf sowie ein Pickerlkorridor entlang der U6 von Siebenhirten zur Bezirksgrenze nach Meidling. Schlussendlich haben wir uns dann gegen diese Idee entschieden. Ausschlaggebend dafür war die Überzeugung, dass dadurch eine massive Verdrängung in die außerhalb liegenden Bereiche stattfindet, die derzeit kaum bis gar nicht belastet sind und daher nur eine Verlagerung des Problems aber keine Lösung stattgefunden hätte. Eine sehr weiträumige Einführung der Parkraumbewirtschaftung in Liesing könnte diesen Verdrängungseffekt innerhalb des Bezirkes zwar unterbinden, würde aber sicher auf die Ablehnung jenes großen Teils der Bezirksbevölkerung stoßen, der derzeit keine pendlerbedingten Parkplatzprobleme hat. Eine Entscheidung in den zuständigen Gremien der Bezirksvertretung über die weitere Vorgangsweise wird aber definitiv in den nächsten Monaten zu treffen sein.

 


Was war Ihr wichtigstes Projekt im Jahr 2017?

Besonders erfreulich war, dass im Herbst die konkreten Planentwürfe für den neuen Bildungscampus in Atzgersdorf präsentiert werden konnten. Der Bauplatz im Bereich der Breitenfurter Straße und Walter-Jurmann-Gasse umfasst ca. 11.200 Quadratmeter und wird ab September 2022 Platz für rund 1.100 Kinder und Jugendliche in Kindergarten, Volksschule und neuer Mittelschule bieten.

 

Auf welches Projekt von 2018 freuen Sie sich am meisten?

Das denkmalgeschützte Gebäude der ehemaligen Atzgersdorfer Sargfabrik an der Breitenfurter Straße soll zu einem neuen Kultur-Hotspot im Bezirk werden. Veranstaltungen, Ausstellungen und Theateraufführungen, ergänzt mit einem attraktiven Gastronomiebetrieb, soll es hier in Zukunft geben.

Das Auswahlverfahren möglicher Betreiber und Kooperationspartner soll im Frühjahr 2018 abgeschlossen sein. Dann sollte einer zügigen Realisierung nichts mehr im Wege stehen.

 

 

Orte:  1230 Liesing

Kommentare

Mit wenig Aufwand große Wirkung!
Um sich von der Manngasse kommend in die Perchtoldsdorfer Strasse leichter in den Verkehr einzuordnen, wäre ein Spiegel sehr hilfreich. Dieser würde den stadteinwärts fahrenden Verkehr ohne wie bisher durch halsverrenkenden Blick zurück wesentlich erleichtern.

Diesen Spiegel würde ich mir auch wünschen - Sie meinen stadteinwärts.

Ecke Gregorygasse/Breitenfurter Straße gibt es ein Haus, das scheinbar zu einem Lokal „Gregory‘s“ werden sollte. Kann man da mit einem Lokal rechnen, was wünschenswert wäre, oder gibt es da Probleme?