Haustiere und dein Nachbar – Streit muss nicht sein

Gespeichert von Stefan am 20. Januar 2017 - 10:46
Tags: Haustiere

Haustiere & Nachbarn

Bello, Miez und Co. sind häufig Grund für Streit am Gartenzaun. Dabei sind die Lösungen eigentlich ganz einfach – erfordern aber beiderseitigen Respekt.

Alles cool, Herr Nachbar. Die meisten nachbarschaftlichen Tierprobleme lassen sich mit etwas Verständnis schnell auflösen. fotolia.com © soupstock 


Gerade jetzt, in den kalten Tagen, passiert es meist. Du bist krankgeschrieben, der Kopf brummt, die Nase läuft und Du willst einfach nur ein Nickerchen auf der Couch machen. Doch genau dann fängt der Nachbarshund an zu bellen und zu jaulen, denn sein Frauchen ist einkaufen und er kann keine halbe Stunde ohne sie sein. In solchen Situationen lauert der Nährboden für Nachbarschaftsstreit. Keine Panik, Haustiere haben es nicht mal in die Top 5 der Gründe für Probleme mit dem Nachbarn geschafft, dennoch gelten sie landläufig als Auslöser für Misstöne und schlimmstenfalls jahrelangen Krach. Doch es geht auch ganz anders, denn auch bei den Haustieren hilft nur Verständnis – von beiden Seiten. Der folgende Artikel zeigt die typischsten Probleme – und fokussiert sich dabei auf die größten „Zankäpfel“ Hund und Katze.

Selbst kleine Hunde können in beachtlicher Lautstärke bellen - das zu unterbinden, ist jedoch eine Sache der richtigen Erziehung. fotolia.com © Grigory Bruev
 

Problem 1: Der Hund bellt und jault

Von allen Haustier-basierenden Nachbarschaftsproblemen sind die Laute eines Hundes die wohl komplexesten. Der Grund liegt darin, dass Hundegebell und -gejaule je nach Rasse dauerhafte Lautstärken von 70 Dezibel erreichen und sogar überschreiten kann – das entspricht dem Krach einer stark befahrenden Straße. Manche Tiere erreichen sogar Spitzenwerte von über 100 Dezibel und sind damit so laut wie ein Schlagschrauber. Und das kann wirklich krank machen
Hundelaute sind immer Signale, jedoch aus vielerlei Gründen. Ein Hund bellt beispielsweise, um:

  • sein Rudel (die Besitzer) zu warnen
  • Freude auszudrücken
  • seinem Herrchen ein „komm zurück“ nachzurufen
  • Gegner zu bedrohen

Je dichter die Rasse am Wolf liegt, desto eher wird überhaupt gejault. Doch auch Schmerzen bringen Hunde dazu. fotolia.com © SashaS
 

Bloß ist es eine Frage der Erziehung, wie freigiebig er damit ist. Ein Hundebesitzer, der sein Tier kräftig lobt, wenn es beim Haustür-Klingeln bellt, signalisiert dem Hund „gut gemacht, weiter so“ – sodass er über kurz oder lang auch bei anderen Gelegenheiten bellen wird. Die Lösung für Nachbarsruhe ist also einerseits, dem Hund das Bellen abzuerziehen und andererseits auch die „Bellfaktoren“ zu reduzieren. 
Wenn ein Hund hingegen heult, liegt oft ein tieferes Problem vor. Zunächst muss gesagt sein, dass nicht jeder Hund heult – das tun nur die, bei denen die genetischen Überreste wölfischer Vorfahren noch stark sind. Und dann ist fast immer Leid im Spiel, entweder weil das Tier Trennungsangst hat, oder gar Schmerzen. Viele Hunde heulen aber auch deshalb, weil eine Hündin in unmittelbarer Nachbarschaft läufig ist und sie diesen Zustand wittern.  
Heult Bello nur zu bestimmten Jahreszeiten, ist letzteres der Grund – und ihr könnt den Nachbarn damit beruhigen, dass es nur eine Phase ist. Heult der Hund jedoch, sobald das Haus verlassen wird, müsst ihr mehr Arbeit investieren – dem Tier längeres Alleinsein angewöhnen oder aber euch angewöhnen, den Hund künftig mitzunehmen. Doch hilft auch das nicht oder heult das Tier auch wenn ihr dabei seid, könnten Schmerzen die Ursache sein – dann heißt es nichts wie ab zum Tierarzt.

Vor allem die "Geschäfte" von Freigänger-Katzen können für Ärger sorgen. Das Problem abhalten, abhalten kann man die Tiere kaum. fotolia.com © supenee2550
 

Problem 2: Mietz streunt beim Nachbarn

Dieses Problem ist diffiziler, denn im Gegensatz zum Hund haben Katzen einen stärker ausgeprägten „eigenen Kopf“, aus dem sich bestimmte Unarten kaum „rauserziehen“ lassen. Ein oft geäußertes Problem sind Freigänger-Katzen. Für diese sind Zäune und Mauern eben kaum Hindernis, eher Abenteuerspielplatz und so ist es eher Regel als Ausnahme, dass der Stubentiger sich auch in den Nachbarsgarten verirrt. Wichtig ist dabei zu wissen, dass es in Österreich eine generelle Kastrationspflicht für alle Freigänger-Katzen gibt – nicht nur, wie oft missverstanden, solche in „bäuerlicher Haltung“.
Wer das tut, entschärft bereits eine potenzielle Gefahrensituation, denn kastrierte Katzen markieren nicht mehr – da kann kein Nachbar sauer werden, dass es in seinen Rosen nach Katzenurin stinkt. Doch grundsätzlich, so ist die Rechtslage, müssen Nachbarn damit leben, dass fremde Katzen ihr Grundstück betreten. 
Gerade neue Nachbarn kann man damit beruhigen, dass es bei den meisten Freigängern mit Beginn der Winterperiode vorbei ist mit dem „Wanderleben“. Und selbst bei Tieren, die auch im Schnee noch rauswollen, ist oftmals nur die Suche nach Wärme der Grund, der sie in den Nachbarsgarten treibt – hier ist die beste Winterlösung für Freigänger-Katzen einfach, ihnen auf dem eigenen Grund „Wärmehäuschen“ zu bauen – eine kleine Hütte, die mit Decken und Styropor isoliert und abgedichtet wird. Das hält Miez im eigenen Garten, denn dort ist es dann viel gemütlicher als beim Nachbarn.
Und kommt es im Sommer zu Problemen wie Katzenkot oder Kratzspuren, so sollten beide Seiten nicht kleinlich sein. Der betroffene Nachbar sollte den Besitzer nicht wegen jeder Kleinigkeit vor die Tür klingeln. Umgekehrt aber gehört es auch zum guten Ton, die Hinterlassenschaften seines Haustiers zu entfernen – gegenseitige Rücksichtnahme lautet die Devise. Und wenn es gar nicht anders geht, etwa weil der Nachbar eine ausgesprochene Katzenallergie hat, muss der Freigänger eben wieder zum Stubentiger werden – so schwer es auch ist.

Mit dem Gartenschlauch sollte man die Nachbarskatze nicht vertreiben - das grenzt an Quälerei und kann erst recht Streit auslösen. fotolia.com © fotosmile777


Ein weiteres Problem ist die Tatsache, dass viele Katzen nicht einfach nur beim Nachbarn ihr Geschäft hinterlassen, sondern sich auch erbrechen – das muss kein Nachbar hinnehmen und ihr könnt auch nicht mit einem „der soll sich nicht so anstellen“ argumentieren. In diesem Fall könnt ihr beide gemeinsam daran arbeiten, den Freigänger sowohl Freigänger sein zu lassen, als auch zu verhindern, dass es zu weiteren Problemen kommt:

  • Katzen hassen den Geruch von Kaffeesatz. Eine Ladung davon in den Beeten stinkt Miez buchstäblich, jedoch ohne sie zu schädigen – und düngt gleichzeitig noch.
  • Die sogenannte „Verpiss-dich-Pflanze“, im Fachhandel unter ihrem Namen Harfenstrauch bekannt, enthält ebenfalls Duftstoffe, auf die Katzen mit Abscheu reagieren – ein paar Stück davon im Garten verteilt, machen ihn automatisch katzenfrei.
  • Im Fachhandel gibt es mittlerweile auch elektronische Katzenabwehr-Geräte. Diese bestehen aus einem Bewegungsmelder und einem Geräuscherzeuger, der, sobald sich eine Katze nähert, einen hochfrequenten Ton abgibt, der die Katze verjagt.  
Böse Rassen gibt es nicht, aber böse Erziehung - diesen Unterschied zu verstehen, ist der erste Schritt zur Überwindung seiner Hundeangst. fotolia.com © annav

 

Problem 3: Der Nachbar hat Angst vor Hunden

Ob rational oder nicht, es gibt Menschen, in denen erzeugt ein Hund, und sei er noch so harmlos und/oder klein, eine tiefsitzende Urangst, die sogenannte Kynophobie. Die Gründe dafür sind vielfältig:

  • Bislang gar keine Erfahrung mit Hunden
  • Anerzogenes Misstrauen durch die Eltern
  • Schlechte Erfahrungen (gebissen worden etc.)

Grundsätzlich kann man euch, wenn ihr zu dieser Gruppe Mensch gehört, nur raten, euch auf keinen Fall total irrational zu verhalten, sobald ihr dem Nachbarshund zu nahekommt, denn das wird mit Sicherheit erst die Probleme auslösen, vor denen ihr Angst habt:

  • Niemals schon aus der Distanz rufen („halten Sie den Hund zurück“) oder gar winken, jeder Hund empfindet das als Aufforderung, zu dir zu laufen.
  • Den Hund nicht anstarren, denn direkter Augenkontakt macht die Tiere nervös.
  • Wenn der Hund doch kommt, nicht mit Abwehr reagieren. Auf keinen Fall wegrennen (Hund rennt einfach hinterher) oder gar schlagen oder treten – das verleitet selbst den friedlichsten Hund dazu, sich angegriffen zu fühlen und zu beißen.

Hundephobiker sollten deshalb so früh wie möglich, wenn sie einziehen oder der Nachbar sich einen Hund anschafft, diesem zu verstehen geben, dass sie Angst vor den Tieren haben. Wie es danach weitergeht, hängt dann von euch beiden ab. 

  • Die erste Option ist es, einfach dafür zu sorgen, dass der Nachbar keinen Kontakt mit dem Hund hat. Sei es durch Anleinen, Wechseln der Straßenseite oder bei großer Angst auch durch einen Sichtschutz am Zaun – der typische Spruch „der tut nix, der ist ganz lieb“ hilft den Betroffenen jedoch gar nichts und sollte euch, auch wenn er zehnmal der Realität entspricht, nicht entweichen. 
  • Die zweite Option funktioniert nur, wenn beide Seiten einverstanden sind. Professionell geht das durch eine Angsttherapie, sie kann jedoch auch im Nachbarschaftskreis funktionieren. Einfach, indem man sich mit dem Nachbarn unterhält, obwohl der Hund dabei ist. Das zeigt, dass das Tier friedlich ist – was die allermeisten Hunde ja sowieso auch sind; ist die erste Neugierde gestillt, lassen die meisten von ihnen ab. Also „einfach ignorieren“. Dazu gehört allerdings als Besitzer auch, dass man den Hund bei sich behält und notfalls am Halsband nimmt. 
Selbst die größten Nachbarshunde wollen in aller Regel nur etwas streichelnde Aufmerksamkeit - und sind danach zufrieden. fotolia.com © Martin Schlecht

 

Dabei gilt in beiden Fällen „alles kann, nichts muss“. Vor allem wenn der Nachbar einfach in seinem Leben noch nie Erfahrungen mit Hunden sammeln konnte, könnt ihr ihm durch richtiges Verhalten sehr viel Gutes tun. Gebt ihm in einer kontrollierten Situation die Möglichkeit, euer Tier kennenzulernen. Zeigt ihm, wie man einen Hund richtig streichelt und was man sonst noch tun kann, um sich das Tier zum Freund zu machen. Und wenn ihr zu denen gehört, die aus diesem Grund keine Hunde mögen, dann versucht, über euren Schatten zu springen und euch auf den Hund einzulassen – denn alles ist besser, als immer Panik zu bekommen, nur weil man den Hund sieht. 

Fazit

Ein Tier kann durch seinen eigenen Willen leicht und unabsichtlich dazu beitragen, dass selbst der beste nachbarschaftliche Kontakt in einem Streit endet. Doch genau wie bei fast allen anderen Problemen gilt auch hier, dass nur gegenseitiges Verständnis, Rücksichtnahme und kein eisenhartes Beharren euch zum Ziel bringen. Kein Mensch ist perfekt – ähnlich sieht es auch bei den Haustieren aus. Wenn die Katze streunt oder der Hund bellt, wäre Streit die wohl schlechteste Antwort, denn er löst keines der Probleme, sondern schafft nur zusätzliche. Hier sollte euer Leitmotto sein, im Sinne einer guten Nachbarschaft auch mal einzustecken und zu verstehen, dass die meisten Besitzer ihr Haustier ähnlich lieben wie einen Menschen – und umgekehrt auch, dass Nicht-Tierhalter nicht unbedingt die gleiche Leidenschaft für euren Mitbewohner entgegenbringen können, wie ihr selbst und deshalb eine „stört mich nicht, sollte dich auch nicht stören“-Haltung ziemlich unangebracht wäre. Auch bei Tieren liegt der Weg zu guter Nachbarschaft genau in der Mitte. 

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Kommentare

Ich schätze Hunden und Katzen sehr. Leider verstehe ich nicht, dass immer wieder die Hundegacke bei uns in der Autokaderstrasse überall herumliegt, nicht nur in der Wiese, sondern sogar am Gehweg. Warum kann diese nicht mitgenommen werden? Mfg K.K.

Tja ich bin auch Hundebesitzer und frag mich so wie du oft warum das liegen bleibt. Ich habe immer mehrere sackerl mit. Sind nicht schwer und stören nicht. Aber es gibt verantwortungsvolle Hundebesitzer und es gibt solche die Hund nur Haben um anzugeben aber keine Ahnung von rundherum haben. Leider schadet das allen Hundebesitzern.