Alda & das Erwachen ihrer Hausgemeinschaft

Gespeichert von Stefan am 9. November 2015 - 11:53
Tags: Lieblingsnachbarn

Alda mit Geschenken der Hausgemeinschaft

Vor ein paar Wochen hat mich Alda, eine Nachbarin aus dem 13. Bezirk, zu ihrem Gartenfest eingeladen. Dort angekommen war ich mehr als beeindruckt. Alda hat gemeinsam mit Nachbarn und Freunden ein Zelt organisiert, liebevoll dekoriert, jede Menge feine Sachen aufs Büffet gezaubert, eine Tombola vorbereitet und oben drauf eine Weinverkostung mit einigen sehr, sehr guten Tropfen auf die Beine gestellt. Und noch vieles mehr! Grund genug, bei Alda einmal nachzufragen, was Nachbarschaft für sie bedeutet und was das mit ihrem Haus zu tun hat.

Wie bist du auf die Idee gekommen, ein Gartenfest zu veranstalten?
Vor und während der Restaurierung hatten wir eine recht anstrengende Zeit – mit Gerüst und Lärm und Unannehmlichkeiten, da fand ich, wir hätten uns eine Feier zum Abschluss verdient. Ich wollte bei der Gelegenheit die Aufmerksamkeit darauf lenken, dass seit 12 Jahren die Gartenerhaltung auf „nach der Restaurierung” verschoben wurde und auch noch anstünde. Außerdem wollte ich natürlich auch die Mieter ermutigen, dazuzzustoßen ...

Wie bist du mit den Nachbarinnen und Nachbarn aus deinem Haus in Kontakt gekommen?
Die Restaurierung war seit Jahren überfällig und unser ehemaliger Hausverwalter war krebskrank. Es ist damit lang nichts weitergegangen – bis eine andere Hausverwaltung die alte übernommen hat. Aber auch da hat sich erwiesen, dass eine Hausversammlung alle 2 Jahrezu nicht genügt, da eine gemeinsame Linie zu finden. Kommunikation im Vorfeld war also nötig und sobald ich ein paar Telefon- bzw. E-Mail-Kontakte hatte (das war gar nicht einfach, da in unserem Haus viele Wohnungen vermietet und die Eigentümer anderswo wohnhaft sind), habe ich begonnen, die Nachbarn in kleinen Runden zu mir einzuladen um so Gelegenheiten zu persönlichen Treffen und Gesprächen zu bieten. Mit zwei anderen Eigentümerinnen haben wir letztendlich eine „Hausvertrauensdamen-Runde” gebildet.

Was sind die Themen, über die ihr euch austauscht?
Hauptsächlich Haus und Garten – Dinge, die gemacht gehören eben. Privatinitiativen haben sich gefunden um zumindest ein kleines Eckchen netten Garten zu realisieren wobei unsere Permakulturgärtnerin uns beim Hochbeet bauen, Kräuterbeet und Beeren-Naschgarten anlegen, etc. mit Rat und Tat zur Seite gestanden ist. Sträucher, Rosen mit Bogen und Sitzgarnitur sind ebenfalls dank Spenden einzelner Eigentümer zustande gekommen ... Bisher helfen ein bis zwei Mieter beim Gießen und Schneckenjagen und ich hoffe, dass das Interesse wächst. Die Wünsche und Ansprüche an den Garten sind allerdings so unterschiedlich wie die Menschen selbst. 

Fallweise werden Poststücke übernommen oder Handwerker eingelassen, wenn jemand nicht zu Hause bleiben kann. Weitere Themen sind Füttern von Haustieren bei Abwesenheiten und Austausch von Neuigkeiten aus der Umgebung. Auch die eine oder andere Freundschaft entwickelt sich – einerseits ist so schon vieles gewachsen andererseits aber noch mehr denkbar.

Wie hat sich das Leben in deinem Haus seither verändert?
Meiner Meinung nach höchst positiv! Die negativen Seiten der Anonymität eines Stadtlebens sind an vielen Stellen verschwunden – wobei die Privatsphäre gewahrt geblieben ist.

Was heißt Nachbarschaft ganz allgemein für dich?
Ausgewogenheit zwischen Gemeinsamkeit und Selbstverantwortung. Hilfsbereitschaft und Liebe zu den Menschen ist Voraussetzung und warum denn immer in die Ferne schweifen, wo das Gute doch so nah sein kann :) Etwas Offenheit und eine Prise Vertrauen, dass der Mensch von Grund auf gut ist, gehört dazu und die Weisheit, dass gemeinsam alles Schöne schöner und alles Schwere leichter wird. Je näher beieinander Menschen leben, desto wichtiger wird dabei natürlich der Respekt vor der Privatsphäre und Akzeptanz der Individualität. Ich spreche absichtlich nicht von Toleranz, da dieses Wort sich ursprünglich von ertragen können ableitet – und das wäre für gute Nachbarschaft zu wenig. Wichtige Ingredienzien eines glücklichen, zufriedenen Lebens sind seit jeher ein Gefühl der Verbundenheit bei gleichzeitiger Freiheit, wobei die Freiheit des Einzelnen dort aufhört, wo sie diejenige des Nächsten einschränken würde.

Und weil Fotos viel mehr sagen, als tausend Worte, noch ein paar Eindrücke zum Gartenfest. Aufgenommen von Karl Kritsch:

Kommentare

...gut,jedoch fehlt in unserer WG die Anwesenheit !

sehr schöne Worte!

Die Idee ist super, ich würde mich auch freuen, wenn ich einmal alle Mitbewohner meines Hauses kennenlernen könnte!

Diese Nachbarn würde ich gerrne kennenlernen, denn viele Themen sind mir ein Anliegen: Hochbeet, Kräuter, Gespräche über interessante Themen.

Daswäre auch schön wenn unsere Nachbarn reden würden

Eine super Idee