Lieblingsnachbarin Brigitte & das Projekt WIEN LEBT

Gespeichert von Angela am 5. August 2016 - 9:47
Tags: Lieblingsnachbarn

Brigitte Vettori

„Bei den Veranstaltungen von WIEN LEBT erfahre ich immer, dass sich Menschen freuen, wenn sie in Kontakt mit Nachbarn und GrätzelbewohnerInnen kommen”, sagt Brigitte. Sie hat die Projektreihe initieert. Darüber und über ihre Nachbarschaft erzählt sie uns heute. Spannend!

Wer bist du und was machst du? 
Mein Name ist Brigitte Vettori. Ich bin Wahlwienerin und habe mich schon durch diverse Bezirke geschmökert. Seit 2012 lebe ich in Hernals. Ich interessiere mich für Menschen und für das Leben des einen und der anderen. In der Kultur- und Sozialanthropologie habe ich mein Steckenpferd gefunden, das ich gerne mit der kulturellen Raumgestaltung bei „space and place“ verbinde. 

Brigitte Vettori ist Lieblingsnachbarin bei FragNebenan
Foto: Sebastian Philipp

Wie sorgst du für gute Nachbarschaft? 
Ich kümmere mich gerne um das öffentliche Wohnzimmer vor der eigenen Haustüre. Derzeit interessiert mich ganz besonders der Dornerplatz im 17. Bezirk. Bei der Belebung dieses verkannten Ortes im Rahmen von WIEN LEBT wirken viele NachbarInnen mit. Die Zusammenarbeit macht große Freude! 

In welchem Bezirk wohnst du und was kannst du dort besonders empfehlen?
Ich wohne in Hernals an der Grenze zum 18. Bezirk. Am dortigen Nepomuk-Vogl-Markt empfehle ich gerne den Kaufmannsladen von der gleichnamigen Frau Kaufmann. Man kann dort Lebensmittel, Kaffee und Mittagessen erstehen – und wird freundlich beraten. Wirklich gute Torten gibt es beim Café Dolce Latte in der Kalvarienberggasse, wunderbare Kekse – zu jeder Jahreszeit – findet man im Backstüberl in der Bergsteiggasse. Im Winter lohnt ein Ausflug auf das Dach vom Engelmann: Meine Tochter hat auf dieser – der ältesten Kunsteislaufbahn der Welt ihre ersten Schritte am Eis gemacht. Von dort aus, wie auch vom Atha-Yoga-Studio in der Theresiengasse hat man einen wunderbaren Blick über die Stadt. Die Haare macht man sich am besten beim Friseur Dietmann in der Kalvarienberggasse schön – auch hilfreicher Kooperationspartner von space and place.

Und wer gerne Grätzelkultur genießt kommt am besten zu den WIEN LEBT-Veranstaltungen am Dornerplatz, schaut zu den Ausstellungen in der Zwischendecke vom Kulturnetz Hernals oder schließt sich einer Veranstaltung von der Gebietsbetreuung in der Lacknergasse an. Auch das Bezirksmuseum hat Spannendes zu bieten. Die Füße vertrete ich mir gerne im Schwarzenbergpark. Von dort aus führen viele Wege in den Wienerwald und in andere spannende Bezirke.

Was ist WIEN LEBT und was kann ich da tun?
Bei der von mir bereits 2009 ins Leben gerufenen Projektreihe WIEN LEBT geht es für jeden einzelnen darum, Dinge auszuprobieren und Begegnungen zu erfahren, die den eigenen Horizont erweitern. Wir feiern die Vielfalt der Menschen und Ideen in der Stadt – und erfreuen uns am regen Austausch von Talenten. Bei WIEN LEBT kann man als ProjektpartnerIn selbst Ideen für das Grätzel umsetzen oder als TeilnehmerIn genießen, was es zu genießen gibt. Etwa am 14. und 15. August bei unserem REICH + SCHÖN-Picknick

Hast du Tipps für Nachbarn, die ihr Grätzl beleben möchten? 
Aufmerksam und wachsam sein, schauen, was man tun kann und vor allem auch möchte. Die Möglichkeiten sind vielfältig: Baumscheiben in einem Projekt der Gebietsbetreuung bepflanzen, mit uns 240 Regenschirme am Dornerplatz aufhängen, Deutsch-Kurse für Flüchtlinge organisieren oder eine Grätzeloase bauen. Die eigene Aktivität tut der ganzen Gemeinschaft gut und auch sich selbst.

Warum ist Nachbarschaft wichtig für Menschen? 
Ich denke, dass der Wunsch nach Anonymität in der Stadt im Sinken begriffen ist. Bei den Veranstaltungen von WIEN LEBT erfahre ich immer, dass sich Menschen freuen, wenn sie in Kontakt mit Nachbarn und GrätzelbewohnerInnen kommen. Schon kurze und unregelmäßige Begegnungen mit anderen können neue Gedanken in einem selbst entstehen lassen. Es wird also nie langweilig.

 

Kurzporträt “Ich & meine Nachbarschaft”

  • Gute Nachbarschaft bedeutet für mich, wenn jeder so sein kann wie er oder sie gerade sein möchte und wenn man in dieser Freiheit dennoch Rücksicht auf andere nimmt. Wenn es Austausch zwischen NachbarInnen gibt und Talente getauscht werden, umso besser. Zu wissen, dass man im Notfall an einer nahen Türe klopfen kann und weiß, dass da jemand ist, wenn man Hilfe braucht, macht das Leben bedeutend einfacher.
  • Was mich in meiner Nachbarschaft ärgert Was mich wirklich ärgert ist der Umgang mit Gassenlokalen im siebzehnten Bezirk. Gerade um den Dornerplatz, in der Kalvarienberggasse und in der Hernalser Hauptstraße wäre Zwischenraumnutzung ein großes Thema. Was man da alles machen könnte: Ein Künstlerviertel, Räume zum Austoben für Jung und Alt, Sprach-Cafés, Musikräume und mehr. Die Lokale ungenützt leer stehen zu lassen kann keine Option sein.
  • Was ich an meiner Nachbarschaft schön finde Das Schönste für mich ist die Vielfalt der hier lebenden Menschen. In der Kindergartengruppe meiner Tochter gibt es 22 Kinder, die insgesamt 13 Sprachen sprechen und unterschiedlichste Lebensgewohnheiten mitbringen. Das zu erleben und mit ins Leben zu nehmen ist überaus wertvoll. Im Projekt „Wir sprechen ...“ haben wir sogar über 70 Sprachen und Dialekte gesammelt, die in den Gassenlokalen der Kalvarienberggasse gesprochen werden. Was für ein Potential für die Stadt! 
  • Wie ich zuletzt meinen Nachbarn geholfen habe Immer wieder geht es um Blumengießen sowie Post und Zeitungen aus dem Postkasten holen (die man dann gleich selbst lesen darf). Wenn sich die Kinder im Haus gut verstehen, und man das eine mal übernimmt, kann man das kaum als Hilfe bezeichnen. Ich glaube in meinem Haus wird mir selbst mehr geholfen, als dass ich anderen helfe. Ich sperre mich etwa ganz gerne mal aus und brauche dann Hiiiilfe!
  • Wie mir zuletzt ein Nachbar/eine Nachbarin geholfen hat Ja eben – der eine Nachbar hat mir aus dem Garten geholfen, noch bevor ich eingezogen war: Ich blieb etwas länger bei der Wohnungsbesichtigung und dann war aber die Türe ins Freie zugesperrt ... Die andere Nachbarin habe ich kennengelernt, als ich hochschwanger von der Waschküche raus kam und bemerkte, dass mein Schlüssel ohne mich in der Wohnung geblieben war ...
  • Meine Lieblingsgruppe auf FragNebenan Ich gehörte derzeit keiner Gruppe an. Gruppen, die für mich interessant wären, wären etwa Denkwerkstätten – wie man zum Beispiel Talente von Flüchtlingen und neuen MitbürgerInnen besser einsetzen könnte. Oder ein AnthropologInnen-Treff, eine Second-Hand-Gruppe, ein Babysitter-Pool, ein Musikinstrumenten-Verleih oder Tausch. Und eine Gruppe, die sich nachhaltig für die Belebung des Dornerplatzes engagiert.

 

Hier findest du Brigitte auf FragNebenan.

Und wenn du noch mehr Nachbarinnen und Nachbarn kennenlernen möchtest, kannst du gerne die Möglichkeiten von FragNebenan nutzen. Falls du noch nicht mitmachst, komm gern dazu

Orte:  Wien

Kommentare

Wie schön, solche Menschen, in unserer Stadt ! ! !

Im 17. Bezirk gibt es übrigens auch ein ganz wunderbares Nachbarschaftszentrum, neben dem Metropol, mit vielfältigen , wunderbaren Menschen - früher bin ich immer wieder quer durch Wien dorthin gefahren.
Vermutlich wird das Brigitte wohl schon kennen. Wenn nicht - es ist ein sehr inspirierender, bunter, bereichernder , lebendiger , aktiver Ort, mit ebensolchen Menschen.
Die vergangenen Jahre bin ich dann auch glücklich geworden , mitten im 11. ... :)
Recht unverhofft, doch mit großartigen Nachbarn und Gartenfreunden :)
Vielen lieben Dank - für solch interessante Interviews und inspirierende Menschen !

Herzlichst,
Bea