Märchen-Stunde mit der Rosi-Oma: Der Kuscheltiger

Der Kuscheltiger - Märchen von der Rosi-Oma

Ein Märchen für Klein und Groß, besonders für Vegetarier

Die Rosi-Oma schreibt gern und ist geübt im Märchen erzählen mit 2 Kindern, 8 Enkelkindern und 5 Urenkeln. Dazu hat sie auch noch Wahlenkelkinder, „die ich ins Herz geschlossen habe und die gerne zu mir kommen um etwas zu lernen, oder mit meiner Betty gassi zu gehn.”

Das Märchen hat sie für ihren Merlin geschrieben, da war er gerade 4 Jahre alt. 

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Der Kuscheltiger

Im Tiergarten lebte eine Tigerfamilie. Eines Tages bekam die Tigermama wieder Junge. 

Fünf allerliebste Mini-Tiger. Vier hatten ein gelb-braunes Fell mit  schwarzen Streifen, nur ein Junges, das kleinste, war weiß und hatte graue Streifen. Dieser kleine Tiger wollte nie seine Krallen zeigen und konnte überhaupt nicht richtig fauchen, darum nannten ihn alle Kuscheltiger.

Er konnte aber ganz hervorragend kuscheln. Wenn sich der Tigerpapa oder die Tigermama einmal in Ruhe wo hinsetzten, war der kleine Tiger schon da, kuschelte sich zu ihnen und schnurrte wie ein Stubenkater und steckte die Pfote  in seine kleine Schnauze.

Als bereits die anderen Tigerkinder anfingen zu brüllen und Fleisch zu fressen, maunzte der kleine Kuscheltiger nur und verweigerte jedes Bisschen Fleisch.

Wenn auch seine Mama ihm die schönsten und zartesten Fleischstückchen aussuchte, er fraß kein einziges, auch nicht das winzigste. Da machten sich die Tigereltern schon große Sorgen um ihr Kind, denn ein Tiger, der kein Fleisch frisst, muss ja verhungern, dachten sie.

Foto: Dirk Vorderstraße

Doch eines Tages fuhr der Pfleger der Schimpansen mit deren Mittagessen vorbei am Tigergehege. Er hatte Karotten, Bananen, Äpfel, Birnen und Melonen am Handwagen aufgeladen.

Als der Kuscheltiger das sah, stürzte er ganz aufgeregt zum Tor und holte sich eine Banane vom Affenmittagessen. Die fraß er mitsamt der Schale, die er aber dann nach und nach ausspuckte.

Der Wärter konnte es gar nicht fassen, dass ein Tiger Bananen frisst. So gab er ihm noch eine Karotte, die verputze dieser blitzschnell, ebenso einen Apfel und eine Birne.

Alle staunten – ein Tiger, der Obst und Karotten frisst.

Als der Pfleger vom Affenhaus zurück kam, holte er den kleinen Tiger aus seinem Gehege.

Dieser fing sofort zu schnurren und zu gähnen an, machte es sich im Arm des Pflegers gemütlich und schlief ein.

Weil aber dieser nicht so viel Zeit hatte und den Kleinen auch nicht aufwecken wollte, steckte er ihn in seinen Schürzensack, wo er weiter schlafen konnte.

An diesem Tag musste Fritz, so hieß der Mann, im Hasenstall aushelfen, und weil so viel zu tun war, vergaß er ganz, dass der kleine Kuscheltiger ja in seiner Schürze schlief.

Von dem starken hin und her Gewackel wurde der Kleine allmählich munter. Er war ausgeschlafen.

Da sah er die Hasenkinder miteinander spielen. Schnell hüpfte er aus seinem Schürzen-Schlafsack mitten hinein in die Hasenschar. Die sind aber nicht schlecht erschrocken, plötzlich sitzt ein Tiger mitten unter ihnen. Zwar nur sehr klein und weiß, aber Tiger ist Tiger, meinten sie.

Doch der Kuscheltiger war kein Fleisch fressender Tiger, er wollte nur mit den Hasenkindern spielen. Als die Hasen das endlich verstanden, fingen sie gleich an mit ihm Fangen zu spielen.

Unser Kuscheltiger konnte aber kein einziges Hasenkind erwischen, denn immer wieder, wenn er eines eingeholt hatte, schlug es schnell einen Haken und er fasste ins Leere.

Trotzdem fand er es toll und lustig. Nach dem Spielen aß er mit ihnen Klee und Karotten.

Der Pfleger Fritz hatte ihn schon total vergessen, da sah er ihn mit den Hasen spielen und fressen.

Da wusste er, dass der kleine Kuscheltiger keinem anderen Tier etwas zu Leide tun würde ... Er war ein Freund aller Tiere.

So nahm er ihn von nun an jeden Tag mit zu den anderen Tieren. Kuscheltiger lernte die Spiele der Affen, der Eseln, der Kamele, der Elefanten und der Meerschweinchen kennen und sie teilten alle mit ihm ihre Mahlzeiten. Nur zu den Krokodilen wollte unser Kuscheltiger nicht, vor denen hatte er schreckliche Angst.

Als dann der weiße Tiger erwachsen war, durfte er durch den ganzen Tiergarten alleine spazieren, denn er war auch längst schon ein Menschenfreund geworden ... Und wenn ihn niemand geärgert hat, dann ist er es bis heute geblieben: ein Menschen- und Tierfreund.

Jeden Tag besuchte er alle seine Freunde. Er aß mit ihnen. Mit den Affen Bananen, mit den Meerschweinchen Salat, mit den Elefanten Kartoffeln und Brot, mit den Hasen und Kaninchen Klee und Karotten, nur die Disteln, die Lieblingsspeise der Esel, mochte er nicht, die zerstachen ihm seine empfindliche Schnauze.

Ende

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Kommentare

Liebe Angela und Rosi! Danke für die Märchenstunde! Es sollte allerdings - wenn schon, denn schon - eingangs heißen: besonders für Fleischfresser (die immer noch meinen, es ginge nicht anders). In diesem Sinne: Lasst Euch besonders das Oster-Obst und Gemüse schmecken!-) Kuschlige Tiger-Grüße Michael