Menschen von nebenan: Khalid

Gespeichert von Julia am 16. Oktober 2017 - 18:28
Tags: Menschen von nebenan

Khalid

Wo ist Mauretanien, frage ich mich, als ich zum ersten Mal von Khalid höre. Ich nicke nur unschuldig, muss aber zuhause dann gleich googeln: Mauretanien grenzt an Algerien, Senegal, Marokko, Mali und die Sahara. Ist mir alles geläufig. Nur Mauretanien, das nicht etwa Lichtenstein-Größe hat, sondern mehr als zwölf (!) Mal so groß ist wie Österreich, kenn ich überhaupt nicht. 

Wikipedia sagt, man spricht arabisch und französisch. Bilder zeigen mir flache Häusermeere und staubige Straßen. Alles viereckig von oben. Und viel Wüste. „Trockenheißes Wüstenklima“ heißt es hier, mit bis zu 50°C im Sommer. Khalid verträgt die Hitze nicht, sagt er. Das ist in Österreich schon etwas angenehmer.

Julia: Khalid, du kennst ja Wien noch nicht so lange. Gibt es etwas, was du schon kennen- und mögen gelernt hast?

Khalid: Ich mag die grüne Dach.

Ich verstehe erst nicht ganz. Aber er erklärt: die grünen Dächer der Wiener Architektur.  Und Statuen! Das gibt es nämlich in Mauretanien gar nicht: Statuen. Khalid ist ganz fasziniert. Und auch im übertragenden Sinn gefällt Khalid die „grüne“ Stadt.

Khalid: Es ist so sauber. Es ist sauberer als Paris zum Beispiel. Here it’s more ecologique. Das Recycling zum Beispiel.  

Julia: Und hast du schon Menschen hier kennengelernt? Nachbarn vielleicht?

Khalid: Nur einen. Er ist sehr freundlich. 

Julia: Verstehst du den besser als die Familie deiner Frau und deren Nachbarn in Vorarlberg?

Khalid: Ja, ja. (Er lacht.) Viel besser!

Khalids Weg führte ihn nämlich in Studienzeiten erst nach Frankreich, wo er eine Vorarlbergerin kennengelernt hat. Die beiden sind inzwischen verheiratet und haben einen eineinhalb-jährigen Sohn. Besuche bei Oma und Opa in Vorarlberg waren also wichtig. Im eben vergangenen Sommer nun sind die Drei nach Wien in den 16. Bezirk gezogen und sie freuen sich über ihr neues Zuhause.

Khalid spricht Poulard und Französisch. Da ich die eine Sprache gar nicht und die andere nur ein wenig... nein: auch gar nicht beherrsche, führen wir ein deutsch-englisches Gespräch, in dem mir Khalid von seiner durchwachsenen Kindheit erzählt, von Schicksalsschlägen und von kulturellen Unterschieden zwischen Afrika und dem Europa, das er bisher kennengelernt hat. 

Ich fühle mit und bin oft betroffen, aber mehr noch als das haben wir während des Interviews gelacht. Und ich hoffe, mit viel Lachen und Freude geht es für Khalid und seine liebe Familie weiter!

Interview nachzulesen auf lieblingsleben.blog


Ich freue mich, wenn ihr vorbeischaut!
Eure Julia