Menschen von nebenan: Markus

Gespeichert von Julia am 15. Februar 2018 - 12:44
Tags: Menschen von nebenan

Portrait Markus

Am längsten hat Markus im Vierten gewohnt. 1040 Wien. Allerdings in drei verschiedenen Wohnungen – im selben Haus. Erst im Dachgeschoß, dann im Erdgeschoß und schlussendlich in der Mitte drin.

Markus: Die Wohnungen haben je meine aktuelle Lebensphase widergespiegelt. Im Dachgeschoß – ganz wild und frei, unten dann eher nicht so. Und in der Mitte hat die „bürgerliche“ Zeit angefangen.

Markus hat Sabina geheiratet, eine Ärztin, wie er mit Stolz feststellt, und die beiden haben einen Sohn bekommen. Er zeigt mir Handyfotos und ich bin ganz baff. Lange ist es her, dass wir uns das letzte Mal gesehen hatten. Das war damals in der Dachgeschoßwohnung noch, aus der Markus viele Geschichten zu erzählen hat.


 

Julia: Was schätzt du am Vierten?

Markus: Der Vierte ist cool, aber nicht bobo. Besonders damals, als ich eingezogen bin.  Ich war früher viel im Roxy aber ich mag auch die Karlskirche, den Naschmarkt – Klassiker. Ich verbinde einfach ein freies Lebensgefühl mit dem Vierten. In der Zeit, in der alle anderen studiert haben, war ich Arbeiter und konnte mir mein freies Leben dort leisten. Damals waren die Mieten auch noch nicht so hoch.

Julia: Ich kann mich erinnern, dass du in der Zeit schon, in unserem jungen Alter, eine Putzkraft hattest, die dir die große Wohnung aufgeräumt und sauber gemacht hat. Das war für mich der ultimative Beweis eines erwachsenen Lebens – nicht selber putzen zu müssen, sondern dafür zu bezahlen.

Markus: Einmal die Woche, ja. Nur war das eher so, dass die mich bemuttert hat. Nicht wirklich Ausdruck des Erwachsenenlebens.

Julia: Ich kann mich auch erinnern, dass immer was los war bei dir, Nachbarn kamen und gingen...

Markus: Ja, wir waren ein wenig „Melrose Place“-artig. Christian, Selda, Georg, ich...

Julia: ...die Tür war immer offen.

Markus: Und die Fenster.

Julia: Was?

Markus: Eines Nachts ist sogar mal jemand übers Fenster eingestiegen. Einfach reingefallen.

Julia: Wie ging denn das? Im Dachgeschoß?

Markus: Er ist vermutlich im Stiegenhaus durch die Dachluke auf’s Dach und dann über die Feuerleiter weiter und irgendwie rüber zum Fenster. Frag mich nicht. Glücklicherweise hat sich dann herausgestellt, dass es ein Freund war. Ich sag zu ihm: „Oida, was machst denn du da?“, und er antwortet mit: „Na Oida, was machst DU da? Ich dachte du bist nicht daheim.“

Immer was los im Dachgeschoß. Aber auch die Wohnung in der Mitte hat Geschichten zu erzählen.

Markus: Da gab es den Herrn Prinz zum Beispiel. Ein alter Herr – gefühlte 100 Jahre alt –  der genau gegenüber von uns auf der anderen Seite des Innenhofes gewohnt hat. Immer in der Früh, wenn die Sonne schien, hat er seine drei Kakteen genommen und auf’s Fensterbrett ins Licht gestellt. Und eines Tages sehen wir ihn so komische Armbewegungen machen und denken uns noch, komisch, was macht der da?! Haben aber leider nicht kapiert, dass er um Hilfe rief. Erst als die Rettung kam, haben wir verstanden, was los war. Er ist glücklicherweise wieder aus dem Krankenhaus zurückgekommen und hat uns dann auch einen seiner Kakteen und ein paar alte Bücher vermacht. Die hab ich immer noch.   

Das Nachbarschaftsgefühl hat sich für Markus in der Zwischenzeit etwas verändert. Er und Sabina sind jetzt Besitzer einer Wohnung, was Vorteile und Herausforderungen mit sich bringt.

Markus: Als Mieter ist man einfach irgendwie freier. Jetzt geht es um so kleinkarierten Schass, der dann am Gericht endet, weil man sich nicht einigen kann wegen der Sanierung der Fassade. Man vergisst dann manchmal, dass alle Nachbarn ursprünglich das Gleiche wollten und verliert sich in Details und Streitereien. Schade. Richtiges Spießbürgertum wie man es sich vorstellt. Auch abgefahren, aber ein bisschen anders als früher. (Er lacht.)

Markus hat mir außerdem viel aus seiner Kindheit erzählt, davon, wie es war, im SOS-Kinderdorf aufzuwachsen, lange Zeit ohne Vater zu sein und inzwischen selbst einen Sohn zu haben. Eine rührende Geschichte, die man auf lieblingsleben.blog nachlesen kann. Schaut vorbei! Ich freue mich über Leserschaft!

Eure Julia


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Orte:  Wien, 1040 Wieden

Kommentare

Tut mir sehr leid, aber ich muss meine Frage wiederholen, denn monatelang muss ich hier Julia's Interviews über Menschen lesen, die in keiner Weise einen Bezug zu Frag Nebenan haben.:
Liebes fn-Team, warum stellt ihr hier immer Personen vor, von denen man nicht mal weiß, ob sie überhaupt fn-Mitglieder sind? Warum wertet ihr nicht mal eure Datenbank aus, um besonders aktive Mitglieder, die die "Nachbarschaft" im wörtlichsten Sinn bewegen, vorzustellen? Nachbarn wie Gerti Müllner, die wöchentlich Wanderungen veranstaltet oder Helmut Krömer, der vierzehntägig Essensrunden in verschiedensten Restaurants organisiert. Oder Sylvia Ehrenreich, die Ehrenamtliche.
Warum berichtet ihr nicht über Gruppen wie "In Wien, aber wo?", in der unzählige Mitglieder mit sportlichem Ehrgeiz Fotorätsel posten bzw. lösen? Oder über die Gruppe "Fotografie", gegründet von Fred Burger, einem Pressefotografen, wo jede Woche ein anderes Motto für das Posten von Fotos gilt?
Solche Berichte können die Plattform besser stärken als diese langweiligen Interviews von Julia, in denen es in Wirklichkeit um nix geht. LG, Susanne

Du musst es ja nicht lesen