Menschen von nebenan: Miri & Sarah

Gespeichert von Julia am 19. September 2017 - 8:54
Tags: Menschen von nebenan

Miri & Sarah

Immer noch ist es für viele ungewohnt, zwei Frauen oder zwei Männer in einer Partnerschaft zu sehen. Ganz besonders, wenn diese verheiratet sind. Genaugenommen sieht man das gar nicht so häufig. Und ich frage mich warum. Warum wird unterschieden und klassifiziert bei Partnerschaften? Warum erkennt die Gesellschaft Liebe und Bindung nur in einer bestimmten Konstellation? Warum beschließt der Staat Paare in Kategorien nach Geschlechtern zu ordnen und dementsprechend zu werten? Wo kommen wir denn da hin, frag ich mich? Und woher?

Durch Miri und Sarah habe ich gelernt, dass ihre Beziehung zwar manchmal auf Widerstand in der Gesellschaft stößt, aber durchaus auch ihre Vorteile hat. 


Miri: Für viele ist eine lesbische oder schwule Partnerschaft eben immer noch neu. Und alles was neu ist, ist befremdlich. Das kann man den Menschen auch zugestehen.

Sarah: Wenn wir uns zum Beispiel mit unserem Nachnamen vorstellen fragen uns erst immer alle ob wir Schwestern sind. 

Miri: Wir hatten eine Zeit lang, als wir im Fünften gewohnt haben, lauter ältere alleinstehende Nachbarinnen, und eine davon hat uns mit diesem freundlichen Wiener Lächeln begrüßt und erfreut bemerkt: „Ah! Sie sind Schwestern!“ Und ich sagte „Na na, wir sind verheiratet.“ Da ist ihr das Lächeln in der Sekunde runtergerutscht. Gar nicht unfreundlich, einfach nur im Schock. 

Sarah: Und sie konnte auch nicht weg. Wir waren nämlich im Lift. Und sie hat dann ganz verdattert gesagt: „Jo jo, das is eh normal.“ 

Inzwischen lächelt die Wiener Nachbarin glücklicherweise wieder, wenn sie die beiden trifft. 

Aber nicht nur für die Nachbarin war es ein Gewöhnungsprozess, auch Sarahs Familie beispielsweise hat sich mit Sarahs Partnerwahl nicht leicht getan. Sogar Miri und Sarah selbst beschreiben ihren jeweiligen Weg zur Frau ihres Lebens als durchwachsen und herausfordernd. Erst als sie aufeinandertrafen, wussten beide: Sie gehörten zusammen! 

Ich frage mich, woher diese instinktive Klarheit der beiden kam. Waren sie anders aufgewachsen als ich? In meiner Kindheit und Jugend gab es keine gleichgeschlechtlichen Paare. Nicht mal in den Geschichten, die mich umgaben. Kein einziges Vorbild, wohin ich meinen Blick in der Erinnerung auch wende. Ich habe mit Miri und Sarah darüber gesprochen, wie sie die Liebe zu Frauen entdeckten, wie sie zueinander fanden, über das Thema „Kinder“ und „Heiraten“, über den Blick der Gesellschaft und ihre eigenen Erkenntnisse über sich und ihre Beziehung. 


Das vollständige Interview mit vielen Fotos findet man auf meinem Blog lieblingsleben. Auch auf Instagram kann man lieblingsleben.blog folgen. Ich freue mich über Besuch!

Eure, Julia

 

Orte:  Wien