Menschen von nebenan: Moni

Gespeichert von Julia am 21. August 2017 - 10:48
Tags: Menschen von nebenan

Moni von nebenan

Moni ist in Wien aufgewachsen, in einer richtigen Wiener Großfamilie in einer großen Wohnung im dritten Bezirk. Urgroßmutti, Großmutti, Mutti, Tante, Cousins und Stiefvati. Mit Letzterem war Moni aber nicht kompatibel, wie sie sagt. Der hat sich auch nicht mehr um Moni gekümmert als ihr Vater, der in Deutschland gelebt und Moni nie wirklich kennengelernt hat. 

Irgendwann zog die Tante mit den vier Buben aus und die Mutti war immer am Arbeiten – Nachkriegszeit, nicht die rosigsten Zeiten. Und die Großmutti konnte die Verantwortung für das Mädchen nicht übernehmen, also kam Moni mit zwöf Jahren ins Internat nach Horn. Der Horror. Sie kam mit der ganzen Situation nicht zurecht. Oft versuchte sie, von dort wegzukommen und fuhr selbständig zurück nach Wien, wurde aber von der Mutti postwendend retourniert.

Viel lieber wär Moni in eine Schule gegangen, in der sie Ballett tanzen konnte. Sie eiferte der Schauspielertante nach. Aber das kostete erstens zu viel und außerdem wurde ihr gesagt, das ginge so nicht. Nicht so, wie Moni ausschaute. Es bedürfe ganz anderer Voraussetzungen für die Schauspielerei. Da fing Moni an, drauf zu achten, dass sie keine Butter mehr aß und keinen Schlagobers. Überhaupt nichts, was fett war. Und das hat sie bis heute durchgezogen. Immer noch stehen auf Monis Speiseplan hauptsächlich Obst und Reiswaffeln. Kochen tut sie nie. Hat sie nie gemacht. Wird sie vermutlich auch nie machen.

Auch der Internatswechsel nach Krems brachte keine Besserung.  

Moni: Internat in der Kaserne – ich glaube, das sagt alles. 

Die Mutti hätte die Moni nie hängenlassen, hielt es aber für das Beste, wenn die Moni so weit wie möglich von zu Hause weg war, damit es da keine Probleme gab. Stattdessen hatte die Tochter anderenorts mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. Latein und Mathe im Besonderen. Und Monis Affinität zur internatsfernen und ortsansässigen Jugend, war nicht passend für eine Schülerin des Mädcheninternats. Sagen wir es mal so. 

Moni: Es war ein anderer Stil, den ich ghabt hab.

Erster Freund mit fünfzehn. Andere folgten.

Von denen hat Moni nie mehr etwas gehört. Da müßte sie sich heute vermutlich in der Kremser Unterwelt erkundigen, meint sie. 

Mit sechzehn wurde sie dann aus der Schule genommen und sollte sich – wieder in die Ferne geschickt – überlegen, was sie weiterhin machen wollte. Totunglücklich war sie und hatte keine Ahnung, was die Zukunft bringen sollte. 

Die Mutter schlug die Hotelfachschule vor, denn einen wesentlichen Grundsatz hatte sie: Die Tochter kam ihr nicht aus, solange sie nicht eine Ausbildung gemacht hatte. Sie sollte arbeiten können.  Also Hotelfachschule in der Steiermark. Diese bestand Moni wider Erwarten und beschloss nach Abschluss mit einem Kellnerlehrling per Autostop nach Schweden zu fahren. Eigentlich wollte sie ja auf die Kanalinseln, was nicht klappte und so landete Moni eben in Schweden. 

Moni: Ist doch wurscht, besser als am Grazer Schloßberg bleiben.

Die Mutter sagte dazu: I kann di eh ned anbinden. Du weißt was’d tust. Und wennst den Schädel anrennst, wirst es merken.

Und so kam es dann auch. Moni rannte sich den Kopf an. Die Zeit in Schweden - gute zehn Jahre - war eine sehr erlebnisreiche und aufregende. Moni hatte eine für eine junge Frau äußerst ungewöhnliche Arbeit und eine leidenschaftliche, gefährliche Beziehung. Erst als sie um ihre inzwischen geborenen Kinder fürchten mußte, nahm sie das Hilfsangebot der Schauspielertante aus Wien an und flüchtete zurück nach Österreich.

(Das Schweden-Abenteuer kann man hier nachlesen: Sisu Moni

Die Schauspielertante wollte  „My Fair Lady“ mit Moni spielen. Jeans waren der Schauspielerin mit den acht  Hunden nicht recht. Aber da machte Moni nicht mit. Sie blieb bei ihrem Stil und traf weiterhin eigenwillig Entscheidungen. 

Die erste Zeit zurück in Wien war hart, aber Moni lernte Menschen kennen, die sie als Schutzengeln bezeichnet. Ein Wiener Ehepaar, das Moni unterstützte, selbst aber wenige Jahre nach Kennenlernen bei einem Autounfall ums Leben kam. 

Und dann kam Flausch.

Monis zweiter Ehemann. Ihm ist Moni besonders dankbar. 

Moni: Wer hätt es sonst so lang ausghalten mit mir? Er scheint das als Berufung zu sehen, meint sie. Er ist ein Engel. Er geht a jede Wochn in die Kirchn. 

Nicht nur was das anbelangt, sind die beiden sehr verschieden. Auf die Frage, wie sie denn zueinander gefunden hätten, überlegt Moni: Hm, er habe kärntnerisch gesprochen und sie habe ihn nicht verstanden. Nach einer Weile war es ihr zu peinlich immer nachzufragen und sie begann, einfach Ja zu sagen. Vielleicht spielte das ja ein Rolle, sagt sie und lacht. 

Aber nicht nur dem Flausch verdankt sie so viel. Da gibt es zum Beispiel einen Musicallehrer, der sich mit einer Engelsgeduld um Moni und ihren seit Kindestagen innigsten Wunsch nach Gesang, Musik und Bewegung kümmert. Immer wieder spricht sie von ihm und scheint es selbst nicht fassen zu können, wie sehr ihr diese Unterstützung hilft und wie viel Freude das Tanzen und Singen ihr bringt, das ihr als Kind nie erlaubt wurde. 

(Der Musiklehrer im Gymnasium damals versprach Moni einen Einser im Zeugnis, wenn sie nur bitte den Mund hielt und aufhörte zu singen.) 

Heute singt Moni so viel sie will. Anfangs heulte sie oft dabei. Unglücklich war sie, wenn es nicht klappte. Desperat. Inzwischen ist das besser geworden und Moni schätzt sich überaus glücklich, ihrer Leidenschaft nachgehen zu können.

Kürzlich wurde sie ausgewählt, in einer großen Theaterproduktion einer kanadischen Gruppe teilzunehmen und stand vor ausverkauftem Haus auf der Bühne. Stolz ist sie. Zu recht. Schließlich haben ihre Zähigkeit und ihr Durchhaltevermögen ihr zur Verwirklichung ihres Kindheitstraumes verholfen! 

Und das ist es, was Moni der Welt mitgeben möchte: Nicht aufgeben! Einfach probieren! Sisu heißt das auf Finnisch, fügt sie noch hinzu.

Sisu Moni.


Wer mehr über Moni erfahren möchte, kann den Artikel “Sisu Moni” lesen. 

Weitere Portraits von spannenden Persönlichkeiten gibt es auf lieblingsleben.blog & Instagram. Ich freue mich, wenn ihr vorbeischaut!

Eure Julia

Kommentare

Sehr, sehr schöne Geschichte! Liest sich nach einem bewegten Leben!

Danke! Ja, ich glaube, das war und ist es!

Eine sehr beruehrende und spannende Lebensgeschichte!

Wirklich eine sehr interessante Lebensgeschichte. Ich war auch in einer Hotelfachschule in der Steiermark in Bad Gleichenberg... Alles Gute!