Menschen von nebenan: Peter

Gespeichert von Julia am 8. November 2017 - 10:36
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Peter von nebenan

Peter ist nicht aus Wien, sondern aus Salzburg. Aber Salzburg Land, nicht Stadt. Und zwar so richtig Land. Großarl. Heißt „Groß“, ist aber fürchterlich klein. Ein paar wenige Tausend Einwohner. Die Kindheit hat er auf den Skipisten verbracht, auf dem Feld und im Wald. 

Mit achtzehn ist er nach Graz, dann nach Salzburg Stadt, ein Jahr Studium in den USA und dann erst zog er nach Wien, wo der Schauspieler jetzt mit seinem Sohn im fünften Bezirk lebt. 



Peter: Wir haben eine super Nachbarschaft. Man kennt sich. Zum Beispiel weil man ständig von den gleichen die Pakete entgegennimmt.... Wir kennen uns alle sehr gut, weil die meisten schon sehr lange in dem Haus leben. 

Julia: Ist das eine bestimmte Altersgruppe oder sind alle in einem anderen Lebensabschnitt?

Peter: Ganz verschieden. Wobei tendenziell eher nicht mehr ganz junge Leute. Oft Kinder oder Enkel, die die Wohnungen der Eltern oder Großeltern übernommen haben. Bei den meisten gibt es einen familiären Bezug. Eine recht gewachsene Gemeinschaft im Haus. 

Julia: Sticht jemand für dich hervor?

Peter: Es gibt auch einen Arzt im Haus. Das ist sehr praktisch. Auch mein Sohn Noah ist bei dem. Wir kennen inzwischen schon die Kinder vom Arzt, die dort jetzt auch anfangen zu arbeiten.  Und unter uns wohnen zwei junge Mädels, die manchmal auf den Noah aufpassen. Alles ein bisschen ineinander verzahnt. Das ist ganz nett. 

Julia: Gehst du dadurch öfter zum Arzt, weil er gleich im Haus ist?

Peter: Nein, ich bin ein notorischer Nicht-zum-Arzt-Geher, ganz innerhalb der männlichen Tradition. Zwar immer Leiden, wenn man einen Schnupfen hat, aber sicher nie zum Arzt gehen.  (Er lacht und hustet.)

Julia: Gibt es Geheimtipps in deinem Grätzel?

Peter: Der Draschepark ist zwar kein Geheimtipp aber ganz nett, besonders für die Kinder. Und das Theater „Scala“ gibt es. Das war’s eh schon. Sonst gehen wir halt in die „Tapete“ was trinken. 

Julia: Die „Tapete“? 

Peter: Die kennst du nicht? Ja, da musst du mal hingehen, das ist eine kleine Bar im Berlin-Style, sehr nett! In der Zentagasse. Und, ah, was auch ein wirklicher Geheimtipp ist: das „Perchtenstüberl“. Da würde man echt nicht drauf kommen, aber da isst man wirklich gut. Ich war erst zweimal drinnen, aber es war zweimal großartig. Fleisch und Schnitzel. Österreichische Küche mit Balkaneinschlag. Super. 

Julia: Und wo ist das?

Peter: Auch in der Zentagasse, direkt am Zentaplatz. Und weißt was auch super ist und ganz neu? Es gibt jetzt eine Boulderhalle. Richtig groß und super. Und die, die das verwalten, sind total entzückend. Das ist direkt hinterm Schloßquadrat. Zeig ich dir dann. Ah! Und fast hätte ich’s vergessen: Unschlagbar ist „Rudis Beisl“ auf der Wiedner Hauptstraße. 

Julia: Na, das sind ja recht viele Tipps. Schön, schön.  Lieblingsnachbarn?

Peter: Da gibt es einige. Zu Zweien hab ich etwas mehr Kontakt. Das eine ist die Melody, die hat einen vier-jährigen Sohn, dadurch kennen wir uns besonders gut – das verbindet. Und dann gibt es noch die Helga, eine Pensionistin, die ist echt eine Gaude. Eine ganz grade, leicht goschate, aber liebenswerte Person, immer mit einem Schmäh. Super. 

Julia: Du bist also inzwischen richtig zuhause in Wien?

Peter: Ja, aber ich muss sagen, ich hab echt bis jetzt gebraucht, um mich mit Wien zu arrangieren. Wien – das war immer so ein bisschen eine Hassleidenschaft. Ich mag’s, es ist eine großartige Stadt. Was die Stadt an Möglichketen und an Lebensqualität bietet, ist ein Wahnsinn! Und seit ich entdeckt hab, dass es nur eine Dreiviertelstunde zum Neusiedlersee und zum Skifahren ist, ist alles nochmal viel leichter. Aber auf der anderen Seite hab ich das Gefühl, Wien ist keine offene Stadt. 

Julia: Was ist es, was dich nervt? 

Peter: Mir scheint bei allem immer eine Portion Neid mit dabei zu sein. Und letztlich vermutlich Unsicherheit. Oft wird versucht, die Anderen kleinzuhalten, statt dass man in sich selbst investiert. Es ist immer das dominanter, was nicht geht, als das, was vielleicht möglich wäre. Bevor man Neuem eine Chance gibt, muss schon viel passieren. Ich hab das Gefühl, man ist hier nicht sehr risikofreudig und das empfinde ich oft als lähmend. Obwohl, ich muss dazu sagen, wenn ich eine Zeit lang weg war, hab ich das mit etwas Distanz dann auch immer wieder anders empfunden. Jedenfalls würde es uns allen nicht schaden, wenn wir ein bisschen mehr lachen würden.

Julia: Schadet nie.

Peter: Manchmal geh ich in die U-Bahn und lache jemand Wildfremden an und sag mal laut „Hallo“, und das erste was passiert ist der Herzinfarkt beim Anderen. Dann „Was will der von mir??“ Und meistens bekommt man dann als dritte Reaktion erst ein Lächeln.

Na immerhin, liebes Wien! 


Peter erzählte mir sehr viel von seiner Beziehung zu seinem sieben-jährigen Sohn und davon, wie die letzten Jahre vom Trennungskrieg geprägt wurden. Wir sprachen über Gott und die Welt und darüber, wie man wohl geschickter durch’s Leben stolpern könnte. Interview nachzulesen auf lieblingsleben.blog

Ich freue mich, wenn ihr vorbeischaut!
Eure Julia
 

Kommentare

Tolles Interview! bin auch aus Salzburg...Stadt....

Freut mich! :)

Wunderbares Interview mit spannenden Themen/Fragen die das Leben so stellt. Es ist schön wenn Menschen so offen aus ihrem Leben erzählen und damt einen wertvollen Beitrag zu einem guten Zusammenleben und gegenseitigen Verständnis leisten. Danke.

Wer weiß in Fav. Nähe Verteilerkreis ein nette Runde für Feiertage, auch Silvester, keine Bumsen oder Anmache. Bin leider älter, doch noch nicht alt. Ohne Krankheitsgeschichten sich mal nur so unterhalten. LG