Menschen von nebenan: Theresia

Gespeichert von Julia am 22. Januar 2018 - 17:12
Tags: Menschen von nebenan

Theresia von nebenan

Theresia ist eine Reisende. Wenn man sich durch ihr Facebook-Profil klickt, hat man das Gefühl, einen großen Teil der Welt gesehen zu haben. Schneebedeckte Berge in Nepal, bunt bemalte Häuser in Chile, Tempel in Myanmar... Theresia in der Wüste, in der Sonne und in Eiseskälte auf über 5.000 Höhenmetern. Die Bilder sind beeindruckend und es juckt mich in den Füssen. Am meisten jedoch imponiert mir dass die junge Frau das alles ganz alleine bereist hat. Sie traf immer wieder auf andere Reisende und auch ortsansässige Menschen, aber im Grunde war sie alleine unterwegs. 

Vielleicht hat ihr das Leben am Bauernhof diese Selbständigkeit gelernt. Da ist sie nämlich aufgewachsen, am Biobauernhof in St. Margareten im Burgenland. Und da lebt sie immer noch, oder wieder. Denn so interessant die große weite Welt auch ist, das ist ihr Zuhause.

Wien war es auch für einige Jahre. Gleich drei Bezirke, der Fünfte, der Sechste und der Fünfzehnte. Ich frage, wo in unserer Stadt die Weltreisende sich am wohlsten gefühlt hat. 

Theresia: In allen drei Bezirken habe ich in WGs gewohnt. Am längsten im Sechsten. Und auch am liebsten.

Julia: Ah, sehr deutlich. Was sind die Gründe dafür?

Theresia: Gleich neben der Mariahilferstraße, das war einfach angenehm. Es lag aber auch an der Wohnung und der WG selber. Wir wohnten weit oben und hatten einen kleinen Balkon, und neben unserer WG gab es eine zweite WG, mit der wir uns gut verstanden haben. Es geht natürlich viel darum, mit welchen Leuten man zusammenwohnt. 

Theresia beschreibt das WG-Leben grade so, wie man es sich vorstellt: Es wurde gemeinsam gekocht und gelegentlich Wein getrunken, man hat immer wieder neue Leute kennengelernt, konnte sich aber auch zurückziehen, wenn man das Bedürfnis hatte. Sehr typisch auch die Differenzen in Sachen Ordnung und Reinlichkeit – vermutlich in jeder WG Anlass zu Uneinigkeiten hie und da.
 
Theresia: Vis-à-vis war ein Spielplatz. Wir konnten die Kinder hören und wunderbar Leute beobachten. Und sonntags hat jemand im Nachbarshaus Klavier gespielt. Das hab ich geliebt.

Julia: Gibt’s was Pikantes aus der Nachbarschaft? Irgendwelche Geschichten?

Theresia: Na ja, es gab im Haus keinen Lift. D.h. eigentlich gab es schon einen, aber den durfte keiner benutzen, nur der Hausbesitzer, der im Dachgeschoß gewohnt hat. Die ältere Dame, die unter uns gewohnt hat, tat sich schon sehr schwer mit Treppensteigen, der mussten wir oft helfen. Und als eine Wohnung ausgebaut wurde, haben die Arbeiter die Zementsäcke die Stockwerke hochgeschleppt. Der Lift war ausnahmslos für den Besitzer, und er hat ihn sich mit Marmor und Spiegel und Goldrahmungen ausgestattet.

Julia: Und was war es, was du am 6. Bezirk geschätzt hast?

Theresia: Man ist einerseits sehr schnell direkt im Zentrum Wiens und andererseits aber auch in Schönbrunn. Besonders mit dem Fahrrad. Und das ist etwas, was mir immer wichtig ist: Grün in der Nähe. Aber ich mag auch die Gebäude und einfach den Flair des Bezirks. Sechster, Siebter... In der Gegend gibt es so viele tolle Lokale, gutes Essen und Biosupermärkte – auch etwas, was mir total wichtig ist.

Julia: Du legst also Wert auf gesundes Essen. Kochst du selber?

Theresia: Ich koche schon, da ich ja auch immer zuhause esse und ich viele Lebensmittel, vor allem im Sommer Obst und Gemüse und ganzjährig Fleisch aus dem Eigenanbau und Bauernhof-Betrieb habe. Am liebsten koche ich mit Gemüse, derzeit ist meine Spezialität Gemüseauflauf in unterschiedlichsten Varianten. Außerdem schätze ich meine selbstgemachten Kräutertees aus dem Garten und bin fasziniert, welche Heilkräfte so manche einfache Kräuter mit sich bringen. Trotzdem bin ich auch eine Naschkatze und genieße jeden Tag meinen Kaffee und Kuchen, natürlich selbstgemacht - meistens von Mama.

Bei den Beschreibungen der Küchenaktivitäten am Bio-Bauernhof schmelze ich dahin.
 
Theresia: Ah, aber nochmal zu Wien: Dass man mit dem Rad überall hinfahren kann, hab ich immer sehr genossen. 

Julia: Stimmt, dafür ist Wien wirklich eine gute Stadt.

Theresia: Ja, es hat schon einen Grund, warum Wien oft die Liste der Städte mit der besten Lebensqualität anführt. 

Da sind wir uns einig, Theresia und ich. Warum sie auch das Burgenland schätzt und was sie von ihren vielen Reisen erzählt, das kann man im restlichen Interview auf lieblingsleben.blog nachlesen. Ich freue mich über Besuch!

Eure Julia

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