Wien und seine Straßennamen

Gespeichert von Hannah am 26. Juni 2018 - 8:10
Tags: Wien Wissen

Wie Wiens Straßen zu ihren Namen kamen

Wie hat die Mariahilfer Straße früher ausgesehen? Woher hat der Schwedenplatz seinen Namen? Das und mehr verraten wir euch in den kommenden Wochen. Dafür haben wir uns auf eine historische Reise durch Wien begeben und viele interessante Geschichten gefunden, die wir ab jetzt jede Woche mit euch teilen.

23. Bezirk - Bürgermeister und belastete Vergangenheit

Aller guten Dinge sind 23. Deswegen sind wir am Ende unseres Spaziergangs durch Wien angekommen. Abschließen wollen wir unsere Reise in der Ketzergasse. Diese hat eine besonders bewegte Vergangenheit. Denn sie wurde 1954 nach Josef Ketzer benannt. Dieser war Bürgermeister von Siebenhirten. Doch davor hat sie von 1938-1947 Adolf-Hitler-Straße geheißen. Ab dem 6. Mai 1947 war es dann die Siebenhirtener Hauptstraße bis sie schließlich sieben Jahre später ihren jetzigen Namen bekommen hat.

22. Bezirk - Wiener Bürgermeister und Stadtjurist

Was, ihr habt noch nie etwas von der Siebenbürgerstraße gehört? Dann klären wir euch gerne auf. Benannt wurde sie im Jahr 1932 nach Martin Siebenbürger, Bürgermeister von Wien und Stadtjurist.

Siebenbürger, der auch Capinius genannt wurde, war Professor an der Wiener Universität, 1503 Prokurator der ungarischen Nation und 1505, 1510 und 1516 Dekan der juridischen Fakultät. 1512 wurde Siebenbürger Stadtrichter, er führte unter anderem einen Korruptionsprozess gegen kaiserliche Beamte und wurde 1513 Ratsherr.

Von Juni 1519 bis Februar 1520 reiste er mit einer städtischen Abordnung über Venedig, Rom und Neapel nach Barcelona, wo es am 6. November zu einer Vorsprache bei Karl V. kam. Siebenbürgers Partei verweigerte der vom Kaiser eingesetzten Kommission die Huldigung. 1521 wurde Siebenbürger Bürgermeister, 1522 wieder Ratsherr.

Erzherzog Ferdinand, der ab April 1521 Landesherr von Österreich war, ließ nach seiner Ankunft Siebenbürger und seinen Mitstreitern im Juli 1522 den Prozess machen. Siebenbürger wurde zum Tod verurteilt und hingerichtet. 

21. Bezirk - von der Siedlung zum Denkmal

Wir befinden uns auf der Zielgeraden unserer historischen Reise durch Wien. Und wo stoppen wir heute? Am Spitz im 21. Wiener Gemeindebezirk. Benannt wurde der Spitz nach der Fertigstellung des Amtshauses. Ursprünglich war hier eine angelegte Siedlung, die 1804 eine eigene Gemeinde war, 1850 mit Floridsdorf verwaltet und 1874 schließlich vereinigt wurde.

Am Spitz treffen drei Straßen zusammen: Floridsdorfer Hauptstraße, Prager Straße und Brünner Straße. Dort steht auch seit 1964 ein Denkmal zur Erinnerung an die Widerstandoffiziere Karl Biedermann, Alfred Huth und Rudolf Raschke, die am 8. April 1945 hier gehenkt wurden.

20. Bezirk - Gaußplatz: Anziehungskraft der Erde

Wer in den 20. Wiener Gemeindebezirk hinein oder aus ihm hinaus will, dem wird der dortige Gaußplatz etwas sagen. Er ist die Grenze zwischen  dem 2. und 20. Bezirk und gleich acht Straßen münden hier ein. Benannt wurde der Platz im Jahr 1919 nach dem Mathematiker, Naturforscher und Astronomen Carl Friedrich Gauß.

Dieser wurde durch seine bahnbrechenden Arbeiten in der Mathematik, Physik und Astronomie, insbesondere für seine Untersuchungen über die Anziehungskraft der Erde, bekannt. Nach ihm ist auch die Maßeinheit der magnetischen Flussdichte benannt.

19. Bezirk - Billrothstraße: Medizinischer Pionier mit antisemitischer Vergangenheit

Die Billrothstraße wurde im Jahr 1894 nach dem deutsch-österreichischen Chirurgen Theodor von Billroth benannt. Doch welchen Bezug hatte der zu Wien? Zum einen führten ihn viele seiner Studienreisen nach Wien, wo er von 1867 bis1894 die Zweite Chirurgische Universitätsklinik leitete.

Nach der ersten Entfernung eines Kehlkopfs beim Menschen setzte er seine Studien über Wundinfektionen fort und begründete mit der von ihm 1881 erstmals erfolgreich am Menschen ausgeführten Entfernung eines Karzinoms im Magenausgang die moderne Bauchchirurgie.

Laut Abschlussbericht einer Forschungsgruppe war Theodor von Billroth eine der damals führenden antisemitischen Stimmen an der Medizinischen Fakultät. Er trug wesentlich zu einer Radikalisierung zwischen Burschenschaften und den jüdischen Studenten bei. In einer Art radikalem Richtungswechsel trat Billroth drei Jahre vor seinem Tod dem "Verein zur Abwehr des Antisemitismus" bei, seine vormaligen Äußerungen blieben jedoch in der NS-Zeit lebendig. Mehr Infos dazu findest du im Wien Geschichte Wiki. 

18.Bezirk - Türkenschanzstraße: Von Besprechungen, Pulvermagazinen und Franzosen

Was genau hat es denn eigentlich mit der Türkenschanzstraße auf sich? Dass sie etwas mit der Türkenbelagerung zu tun hat, liegt auf der Hand. Aber wir wollten es genauer wissen. Benannt wurde sie im Jahr 1879 nach der Zielrichtung der Türkenschanze.  Hier erklärte Graf Starhemberg Zar Peter bei seinem Wienbesuch im Jahr 1698 die Vorgänge während der Belagerung Wiens 1683. 1700 baute das Militär auf der Türkenschanze ein Pulvermagazin auf und am 11. Mai 1809 schlugen die Franzosen hier ihr Lager auf.

17. Bezirk: Höhenstraße - Initiative gegen die Wiener Arbeitslosigkeit

Wir alle kennen sie - die Höhenstraße. Eine bekannte und beliebte Straße, um sein Auto Mal so richtig auszutesten, und oft besuchtes Ziel für frischverliebte Pärchen. Die in Wien allseits bekannte Aussichtsstraße wurde bereits 1905 geplant, doch erst Jahrzehnte später gebaut. Sie verbindet die Höhen des Kahlengebirges mit Grinzing und Neustift am Walde.  Beschlossen wurde der Bau der Höhenstraße 1934 im Zuge eines Programms zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in Wien. Im Mai 1934 wurde damit begonnen und zu Beginn war eine Umfahrung von Grinzing geplant - aufgrund von Protesten durch die Heurigenwirte führt sie heute durch den Ortskern. Mit einer Länge von 15 Kilometern ist die Höhenstraße die längste Verkehrsfläche Wiens.

16. Bezirk: Thaliastraße - vom Kulturzentrum zur Demolierung

Die gute alte Thaliastraße fällt bei uns unter die Kategorie „schon tausend Mal gesehen, noch nie über den Ursprung ihres Namens nachgedacht“. Bis heute. Umso spannender ist es, dass sie im Jahr 1883 nach dem Thaliatheater benannt wurde. Dieses wurde 1856 auf einem Gartengrundstück als Sommertheater errichtet und vom Direktor des Theaters in der Josefstadt Johann Hoffmann  geleitet. Meistens wurden hier sogenannte „Spektakelstücke“ aufgeführt und die Räumlichkeiten boten Platz für 4 000 Theaterbegeisterte. Ein ganz besonderer Abend in der Geschichte des Theaters und für das Wiener Musikleben war die  Aufführung von Richard Wagners „Tannhäuser“ - einer Wiener Premiere. Gegen Ende der 1860er florierte das Thaliatheater jedoch nicht mehr und musste bald seine Pforten schließen - das Gebäude wurde 1870 schließlich demoliert.

15. Bezirk: Johnstraße - Kriegsminister und Kommandeurkreuz

Wir alle sind schon einmal bei der U3-Station Johnstraße ausgestiegen. Willkommen im 15. Wiener Gemeindebezirk! Benannt sind die U-Bahnstation und Straße nach dem General und Kriegsminister Franz Xaver Freiherr von John. Dieser kann auf eine besondere Karriere zurückblicken. War er beispielsweise 1866 Feldmarschallleutnant (Custozza), Chef des österreichischen Generalstabs nach der Schlacht bei Königgrätz Kriegsminister und Mitglied des Herrenhauses. Das Kommandeurkreuz des Militär-Maria-Theresien-Ordens erhielt er am 29. August 1866. Im Jahr 1912 wurde dann schließlich die Johnstraße nach ihm benannt.

14. Bezirk: Ameisbachzeile - Fußgängerpromenade und Wiener Schrebergärten

Was? Ihr habt noch nie von der Ameisbachzeile gehört? Das müssen wir schleunigst ändern, denn wie ihre Vorgänger aus den anderen Bezirken hat auch sie eine spannende Geschichte. Ihren Namen hat sie 1925 erhalten und  verdankt ihn dem Ameisbach. wird 1366 erstmals in Urkunden erwähnt und hat die ersten Wiener Schrebergärten beheimatet.

Die Ameisbachzeile ist eine vier Kilometer lange Fußgängerpromenade, die ursprünglich von der Hütteldorfer Straße zur Steinhofmauer führte. Seit 1969 kann man von dort über die Sanatoriumstraße durch die Alleen des Spiegelgrundes zur Fußgängerbrücke beim Flützertsteig sowie durch die Steinbruchstraße zur Huttengasse gelangen.

13. Bezirk: Einsiedeleigasse - Mönche und Bruderschaft

Wir sind immer wieder überrascht von den historischen Schmankerln, die Wien für uns bereithält. Heute ist Hietzing an der Reihe. Dort erzählt uns die Einsiedeleigasse eine spannende Geschichte. Denn hier lebten ab 1748 zwei Franziskanermönche als Einsiedler. Leopold Zetl, Beamter der kaiserlichen Reichskanzlei, und der Stallmeister des Prinzen von Hildburghausen beschlossen, sich von der Welt zurückzuziehen, und erhielten von Erzbischof Sigismund Graf Kollonitsch die Erlaubnis dazu, der Einsiedlerbruderschaft beizutreten und sich in Ober St.Veit eine Einsiedelei zu erbauen. Im Jahr 1936 wurde die Gasse schließlich nach ihnen benannt.

12. Bezirk: Längenfeldgasse - Frauenpower in Meidling

Josefine Haas von Längenfeld-Pfalzheim. Richtig geraten, das ist die Frau, der die Längenfeldgasse ihren Namen verdankt. Sie war die Stifterin der sogenannten „Kinderbewahranstalt" in Meidling und von Beihilfen zu Heiratsausstattungen für arme Mädchen aus Niederösterreich und Oberösterreich. Ihr zu Ehren wurde die Straße 1894 Längendfeldgasse genannt.

Für die meisten Wiener ist die Längenfeldgasse jene Station, wo U4 und U6 aufeinandertreffen - die Station wurde übrigens 1989 erbaut.

11. Bezirk: Geiselbergstraße - Simmeringer Acker und Nonnenkloster

Und schon sind wir im elften Bezirk angekommen. Genauer gesagt, in der Geiselbergstraße. Jeder, der mit der S-Bahn Richtung Flughafen fährt, kennt die Station Geiselbergstraße nur zu gut. Entweder ist sie eine der letzten Straßen, bevor wir abheben, oder sie ist eine der ersten, die uns wieder daheim begrüßt.

Sie wurde im Jahr 1875 nach dem historischen Flurnamen Ober- und Untergeiselberg benannt. Möglicherweise lag der Simmeringer Acker, den Conrad, der Hubmeister, und seine Gattin Geisel (Gisela) 1311 dem Nonnenkloster St. Niklas in Wien schenkten, in diesem Gebiet.

10. Bezirk: Reumannplatz - von Eismarillenknödeln und Bürgermeistern

Der Reumannplatz ist den meisten von uns als ehemalige Endstation der U1 bekannt. Aber habt ihr euch schon einmal gefragt, woher der Name kommt? Wir verraten es euch: Jakob Reumann ist der Namensgeber.

Jetzt fragt ihr euch vielleicht: Wer war Jakob Reumann? Die Antwort lautet: Er war der erste sozialdemokratische Bürgermeister Wiens. Deswegen und durch den Bau des Amalienbades 1926 wurde der Reumannplatz zum Symbol des Roten Wien. 

Das berühmteste „Wahrzeichen“ am Reumannplatz ist unumstritten der Eissalon von Kurt Tichy mit seinen Eismarillenknödeln. Jeder, der sie schon gekostet hat, weiß, wovon wir sprechen.

9. Bezirk: Porzellangasse - von Porzellan und verlandeten Donauarmen 


Unglaublich, aber wahr.  Wir sind bei unserem virtuellen Spaziergang schon im neunten Wiener Gemeindebezirk angekommen. Eine besonders schöne Straße im Alsergrund ist die Porzellangasse, die uns bewusst macht, wie selbstverständlich wir oft durch Gassen schlendern, ohne deren Bedeutung zu hinterfragen. Das ändert sich heute. Denn die Porzellangasse, die einer der wichtigsten Straßenzüge der ehemaligen Vorstadt war, wurde im Jahr 1825 nach der staatlichen Porzellanmanufaktur benannt. 1718 hatte der Hofkriegsagent Claudius Innozenz Du Paquier das Privileg erworben und eine kleine Manufaktur im "Kuefsteinischen Haus" eingerichtet. Die Geschäfte entwickelten sich jedoch nicht nach seinen Vorstellungen, weshalb Du Paquier die Manufaktur veräußerte.  Deswegen übernahm  Maria Theresia im Jahr 1744 die Porzellanmanufaktur in staatliche Verwaltung. Nach einer bewegten Vergangenheit wurde die Manufaktur dann im Jahr 1923 im Augarten wiederbegründet. So, wie wir sie heute kennen. 

Ihren gekrümmten Verlauf hat die Porzellangasse übrigens einem verlandeten Donauarm zu bedanken. Kaum vorstellbar, wenn man heute durch die Gasse spaziert.

8. Bezirk: Lerchenfelder Straße - vom Feldweg zur Bezirksbegrenzung

Von der Höhe des Volkstheater bis zur U-Bahn-Station Thaliastraße bahnt sich eine ganz bestimmte Straße ihren Weg. Vorbei am 25hours Dachboden kreuzt sie Albertgasse, Neubaugasse und Kaiserstraße. Richtig geraten - wir sprechen von der Lerchenfelder Straße. Diese trägt viel Verantwortung, denn sie trennt den siebten und den achten Bezirk voneinander. Kaum vorstellbar, dass sie ursprünglich ein geländegängiger Feldweg gewesen ist. Ihren Namen hat sie im Jahr 1862 bekommen und wurde nach dem historischen Flurnamen Lerchenfeld benannt. Dieser wurde übrigens zum ersten Mal 1295 urkundlich als Lerochveldt genannt. Um 1314 wurde die Lerchenfelder Straße noch als Kremserstraße bezeichnet und mit den Jahren ist sie immer länger geworden, bis sie die heutige Gestalt angenommen hat.  

Schon im 17. Jahrhundert war sie schon größtenteils verbaut. Heute reihen sich hier vor allem mehrgeschossige, späthistorisch-secessionistische Miethäuser aneinander, die zum Teil ausgedehnte Terassengärten haben. 

7. Bezirk: Neubaugasse - Pferdeomnibuslinie, elektrische Straßenbahnlinie & 13A

Wie so viele Straßen vor ihr, wurde auch die Neubaugasse nach einer Vorstadt benannt. Seit dem Jahr 1862 wird sie als Neubaugasse bezeichnet. Bebaut wurde sie aber schon früher, nämlich nach der ersten Türkenbelagerung ab dem Jahr 1550. Bis auf wenige Ausnahmen besteht die Gasse vorwiegend aus gründerzeitlichen und secessionistischen Miethäusern. 

Mit den Jahren ist die Neubaugasse immer länger geworden, ging sie zunächst noch zur Burggasse, wurde sie im Jahr 1770 bis zur Neustiftgasse und ab 1862 schließlich bis zur Lerchenfelderstraße verlängert. 

Bevor der allseits bekannte 13A sich seine Wege durch die Neubaugasse bahnen konnte, fuhr hier eine Pferdeomnibuslinie. Kaum vorstellbar aber wahr. Diese wurde im April 1907 von der elektrischen Straßenbahnlinie 3 und 1913 dann von der Linie 13 abgelöst. Seit 1961 ist auf der Neubaugasse der heute allseits bekannte 13A unterwegs - anfangs noch ganz britisch als Doppeldecker. 

6. Bezirk: Mariahilfer Straße - von Einkaufshektik und Weinreben

Die Mariahilfer Straße ist die größte Wiener Einkaufsstraße. Habt ihr schon jemals, als ihr mit Einkaufstaschen bepackt durch die Menschenmenge gezwängt habt, über den Namensursprung nachgedacht? 

Wir haben uns informiert und müssen sagen es wundert uns, dass die Mariahilfer Straße keine Identitätskrise hat. Denn bevor sie 1897 offiziell ihren Namen erhalten hat, wurde sie ziemlich oft umbenannt. Kremser Straße. Bayrische Landstraße. Laimgrubner Hauptstraße. Mariahilfer Hauptstraße. Fünfhauser Hauptstraße. Penzinger Straße. Penzinger Poststraße. Schönbrunner Straße.  Ihren jetzigen Namen hat sie der ehemaligen Vorstadt Mariahilf zu verdanken und seit 1850 trennt sie den 6. und 7. Bezirk voneinander. 

Die Geschichte der Straße ist bewegt. Wurde sie in der Römerzeit noch aufgrund ihrer hochwassersicheren Anlegung als Lastenstraße benutzt, gab es im Mittelalter zwischen und Mariahilfer Straße und Wienfluss ausgedehnte Weinkulturen. Im 17. Jahrhundert war sie dann Hotspot für Handwerker und Gewerbebetreibende,  Anfang des 19. Jahrhunderts erhielt die Mariahilfer Straße als erste Vorstadtstraße eine öffentliche Beleuchtung. 

Wenn wir das nächste Mal durch das Menschengewimmel schlendern, werden wir die Augen schließen und uns vorstellen, dass wir durch Weinreben wandern - zumindest solange bis uns ein hektischer Einkäufer anrempelt.

 

5. Bezirk: Matzleinsdorfer Platz - Verkehrsnoten in zwei Bauphasen 

Für alle Nachbarinnen und Nachbarn des fünften Bezirks ist der Matzleinsdorferplatz als Verkehrsknoten bekannt. Für jene außerhalb der Bezirksgrenzen stellt er oft eine Nervenprobe dar: Ist man jetzt in der richtigen Spur oder nicht? Wo sich heute Autos und Straßenbahnen geordnet ihren Weg bahnen, hat es nicht immer so ausgesehen. Zwei Baustufen hat der Matzleinsdorfer Platz schon hinter sich gebracht. Die erste hat nach dem Zweiten Weltkrieg begonnen und wurde 1950 abgeschlossen. Ergebnis der Arbeiten: Eine Unterführung des Gürtels mit zwei Fahrspuren. 

Doch nach der ersten Bauphase ist vor der zweiten Bauphase. Diese hat in den 60er Jahren begonnen. Die Straßenbahn wurde unter die Erde verlegt und die Straßenunterführung wurde auf vier Fahrspuren verbreitet. Zudem wurde das Verkehrsbauwerk Südtiroler Platz ausgebaut und die gesamte Anlage in das Schnellbahnnetz eingebunden. Abgeschlossen wurde der Bau des Tiefbauwerks schließlich am 19. September 1969. 

Seinen Namen hat der Matzleinsdorferplatz übrigens schon länger: Am 25. Jänner 1906 wurde er vom Stadtrat, zur Erhaltung des Vorortnamens, so getauft.

4. Bezirk: Wiedner Hauptstraße - Fernverkehrsweg in den Süden 

Ihren Ursprung vom Karlsplatz nehmend, schlängelt sich die Wiedner Hauptstraße durch den vierten Wiener Gemeindebezirk. Auch sie verdankt ihren Namen einer ehemaligen Vorstadt. Denn der älteste Kern der Vorstadt Wieden lag genau dort, wo jetzt die Wiedner Hauptstraße verläuft. Charakteristisch für den Straßenzug sind einige kleine Dreiecksplätze wie der Rilkepatz oder der Platz vor der Paulanerkirche. 

Seit dem 12. Jahrhundert ist die Wiedner Hauptstraße als Fernverkehrsweg in den Süden, bekannt - besonders nach Triest und Venedig. 

Namentlich hat die Wiedner Hauptstraße einige Adaptionen mitgemacht. 1862 wurde die Alte Wieden Hauptstraße in Wiedner Hauptstraße umbenannt. Mit 25. Jänner 1906 wurde die Matzleinsdorfer Straße in die Wiedner Hauptstraße einbezogen.

3. Bezirk: Landstraßer Hauptstraße - vom Vorort zur Handelsstraße

Auch außerhalb der Bezirksgrenzen kennt man sie - die Landstraßer Hauptstraße.  Aber was hat eine Landstraße mitten in Wien zu suchen?

Um die Frage zu beantworten, müssen wir eine kleine Zeitreise machen. Genauer gesagt ins Jahr 1850. Da wurden die Vorstädte Wiens, nämlich Erdberg, Weißgerber und Landstraße zum dritten Bezirk zusammengefasst und ein Teil von Wien. Landstraße war damals die größte der drei Städte und konnte sich deswegen auch namentlich durchsetzen. Bis die Landstraßer Hauptstraße aber als solche bezeichnet wurde, hat es bis ins Jahr 1862 gedauert. Da löste sie namentlich die „Paulusgrund-Haupstraße“ ab.

2. Bezirk: Praterstern – von Donauarmen und Ferdinand I

Habt ihr schon Mal drüber nachgedacht, wieso der Praterstern so heißt, wie er heißt? Die Antwort ist einleuchtend und einfach zugleich: Am Praterstern liefen zum Zeitpunkt der Namensgebung sieben Straßen sternförmig zusammen. Der Name war bereits vor 1897 in Verwendung, ab diesem Jahr wurde er aber offiziell besiegelt. 

Seinen Anfang hat alles im Jahr 1564 genommen, denn Ferdinand I. hatte einen Plan: Er wollte eine Verbindung  zwischen Augarten und Hauptallee herstellen. Hier kreuzte die Allee die anderen Straßen - sternförmig. Trotzdem wurde das Gebiet lange nicht städtebaulich gestaltet. Auch wenn man es sich heutzutage nur noch schwer vorstellen kann: Der Prater war früher durch einen sehr kleinen Donauarm abgetrennt und man konnte ihn nur durch eine Brücke betreten. Erst im Jahr 1766, als der Prater für die Allgemeinheit geöffnet wurde, kam es zu weitreichenden Umgestaltungsmaßnahmen und der Prater hat sich Stück für Stück dem heutigen Bild angenähert. 1782 war es dann soweit: Der neu angelegte Platz in Sternform war der neue Eingang zum Prater - und der Praterstern war geboren. 

1. Bezirk: Schwedenplatz  – im Wandel der Weltkriege

Nicht nur für Nachtschwärmer ist der Schwedenplatz eine beliebte Anlaufstelle. Durch die vielen Verkehrsanbindungen ist am Schwedenplatz immer etwas los. Doch was haben die Schweden hier zu suchen? Benannt wurde der Platz am 6. November 1919 vom Gemeinderatsausschuss für Kultur als Dank für die schwedische Hilfe im ersten Weltkrieg. 

Auch der zweite Weltkrieg ist nicht spurlos am Schwedenplatz vorübergegangen. In der Schlacht um Wien wurde 1945 der an den Schwedenplatz flussaufwärts angrenzende Häuserblock an der Adlergasse so schwer beschädigt, dass er in der Folge abgerissen und die Adlergasse aus dem Straßenverzeichnis gestrichen wurde. Seither besitzt der Schwedenplatz hier keine sichtbare Abgrenzung zum verbreiterten Franz-Josefs-Kai Richtung Rotenturmstraße mehr.

 

Quellen & weiterführende Links

Orte:  Wien

Kommentare

Super Idee - und recht informativ. Freue mich auf die nächsten Beiträge!

Sehr interessant, über die eigene Stadt Ursprünge und historisches zu erfahren, ganz in meinen Sinn.
Danke für die Recherche und das Engagement .👍👏