Urbane Oase im Weißgerberviertel

Gespeichert von Angela am 22. Juli 2015 - 10:04
Tags: Lieblingsnachbarn, Urban Gardening

Susannas Gehsteiggarten im 3. Bezirk

Drüber steht Adamsgasse, drunter ist ein kleiner Garten Eden. Die Eva, die ihn pflegt, heißt Susanna. Seit fast 30 Jahren wohnt sie da, ist verwurzelt im Grätzl. Und mit ihrem Garten, der ganz natürlich gewachsen ist. FragNebenan war bei Susanna zu Gast und es war spannend und schön zu hören, was sie alles von Pflanzen und Nachbarn zu erzählen hat. Danke, Susanna!

„Vor ungefähr 20 Jahren habe ich die ersten Kisteln rausgestellt”, erzählt sie. „Da sind dann an zwei Fenstern die Bohnen hochgewachsen. Dann hat eines Tages der Straßenkehrer gesagt: Warum machst du nicht alle vier Fenster? Irgendwann einmal ist eine Pflanze so riesig geworden, die hab ich dann in einen Topf umgesiedelt und sie vor die Tür gestellt, so hat sich das halt irgendwann einmal entwickelt.” Sie nimmt auch Pflanzen von Nachbarn in die Sommerfrische. „Das haut ganz gut hin. Also, der riesige Avoacdo-Baum ist zum Beispiel eine Leihgabe. Und da vorne steht eine Banane, auch geliehen. Es gibt einige, die im Sommer ihre Pflanzen herstellen. Eine Dame, die bringt seit Jahren ihre Schützlinge her.” 

Mittlerweile hat Susanna einiges zu gießen. Blumen, Bäume, Kakteen, Gemüse, Kräuter, eine bunte Vielfalt, die die Menschen im Grätzl verbindet. „Die Leute in der Umgebung sind total glücklich darüber”, erzählt Susanna. „Die bedanken sich immer bei mir und bringen mir Sachen vorbei. Erde und Dünger und Pflanzen und alles mögliche im Frühling.” Meist bekommt sie Dinge, aber es passiert schon einmal, dass eine Pflanze „Füße” bekommt. Das ärgert Susanna. Sie hat ein Schild aufgehängt „Blumen stehlen ist schlecht fürs Karma”. 

Zwischen den Pflanzen steht ein gut frequentiertes Bankerl. „Die Leute nehmen das sehr gut an. Es setzen sich oft wildfremde Menschen her. Einen Postler gibt’s, der setzt sich immer in der Früh hin und tut Frühstücken, geh ich raus, sitzt er da und tut grad essen, sag i „Mahlzeit“ und er „Morgen“. Und ältere Damen, wenn sie spazieren gehen und nicht mehr können, dann setzen sie sich auch hin.” Manchmal sitzen sie auch zu zehnt draußen und genießen die konsumfreie Zone, eine Rarität in der Stadt. Beschwert hat sich noch niemand.  Auch nicht darüber, dass die Pflanzen im öffentlichen Bereich, dem Gehsteig, stehen. Im Gegenteil. Die Leute freuen sich, es gibt immer ein Gesprächsthema. „Die Blumen, das ist lustig, das ist etwas, da kannst mit jedem drüber reden. Jeder quatscht dich an, wurscht, was für ein Geschlecht, was für ein Alter, was für ein sozialer Status, was für eine Religion, was für eine Landeszugehörigkeit und das ist irgendwie nett. Eine türkische Frau gibt’s, eine ganz alte, die kann kein Wort Deutsch außer Hallo und die geht da immer vorbei und dann lobt sie mich immer total auf Türkisch, also ich nehm jetzt einmal an, sie lobt mich. Und riecht an allen Blumen und dann gibt sie mir immer etwas zu essen, mal einen Keks, eine Banane hat sie mir das letzte Mal gegeben.” 

Für Susanna ist der Gehsteiggarten ein schöner Ausgleich neben ihrer Arbeit als Programmiererin. Beim Gießen hilft ein Schlauch. Für Bienen und Co hat sie ein Insektenhotel aufgehängt. Als nächstes Projekt will Susanna eine Wurmkiste starten, die dann für frischen Humus sorgen wird. In der Küche steht ein Topf, in dem sie Austernpilze auf Kaffeesatz züchtet. Ein Tipp von einem Nachbarn. Von wiederum einem anderen Nachbarn erhält sie den Kafeesatz, mit dem die Pilze gefüttert werden. 

Erweiterungsideen für die urbane Oase gibt es auch schon. Dazu hat Susanna über FragNebenan eine Gruppe gegründet und so Kontakte zu Biologen und Mitanpackern geknüpft, die ihre Ideen und ihr Wissen einbringen. 

Es scheint etwas zutiefst Menschliches in der Begegnung mit der Natur zu geben. So als würde uns die Natur daran erinnern, wer wir eigentlich sind. Menschen, Nachbarn, die im Kontakt miteinander viel gewinnen können. 

 

 

Kommentare

Hallo Angela,
tolle Geschichte. Könntest du mir bitte einen Kontakt zu Susanna vermitteln? Vielen Dank!
Liebe Grüße
Christa

Hallo, wir haben schon ein paar Anfragen wegen des Kontakts von Susanna bekommen. Ihr findet sie auf FragNebenan unter: https://fragnebenan.com/user/8601 und könnt ihr da eine Privatnachricht schreiben.

Und falls ihr bei euch im Grätzl etwas Ähnliches auf die Beine stellt, würden wir uns freuen, wenn ihr uns kurz Bescheid gebt :)

Liebe Grüße, Stefan

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Sehr schön, danke Susanna! Als Kind hab ich da noch meine Schulmilch gekauft und jetzt ist's so ein schöner Urban Garden geworden ...

Und wir dürfen den Adamsgarten jeden Tag bewundern und mitgeniessen. Dank(e) Nachbarin :o)

Danke für den schönen Text, wird gleich im facebook geteilt!

wow, das hätt ich in unserm grätzl such gern!

Interessanter Beitrag - ich bin dort eine Zeit lang immer wieder vorbei marschiert und hab mich über die vielen Blumen dort gewundert, aber nie jemanden gesehen :D
Es ist wirklich toll anzusehen, sollte viel mehr solcher Plätze geben *__*

Im Sommer gehe ich da öfters mal vorbei. Wünsche mir solche Oasen auch in der Lechnerstr im Karl Waldbrunner Hof