Menschen von nebenan: Renate

Gespeichert von FragNebenan am 13. Januar 2019 - 19:38
Tags: Menschen von nebenan

Wieder stellt uns die Bloggerin Julia einen interessanten Menschen aus der Nachbarschaft vor. Viel Spaß beim Lesen! 

Wir sitzen auf der Terrasse, auf der Renate schon als Kind saß – Blick auf den Donauturm. Renate hat mich in ihr Elternhaus in Floridsdorf eingeladen. Wir sind hier am Bruckhaufen, wie sie mir erklärt, eine Gegend, die einst eine Müllablagerungsfläche war und wo es Ende der Sechziger, als ihre Eltern hier spottbillig einen Grund gekauft und darauf gebaut haben, noch wesentlich weniger Nachbarn gab.

Renate: Da gab es noch keine Straßen, keinen Kanal, gar nix. Nur Ziegel, Zement, Sand und Schotter. Und dass die Siedlung früher eine Müllablagerungsfläche war, wissen auch die Wenigsten. Heute sind viele Psychologen, Ärzte und sogar Diplomaten hier. Die Leute kaufen sich jetzt ein Grundstück und es kommen Fertigteilhäuser her. Das Haus von meinem Vater, der das damals mit Kollegen und Familie selber gebaut hat, ist inzwischen eine ziemliche Rarität.

Julia: Während der Bauphase habt ihr noch im zehnten Bezirk gewohnt. Was waren denn die größten Veränderungen für dich als Kind – vom Zehnten nach Floridsdorf auf den Bruckhaufen zu ziehen?

Renate: Wir hatten vorher nur eine Zimmer-Küche-Wohnung. Und hier war ich im Freien. Zwei Häuser weiter hat eine Freundin gewohnt und wir zwei waren die ganze Zeit unterwegs. Die Erwachsenen haben gearbeitet und haben keine Zeit gehabt für uns. Das war damals einfach anders. Und wir waren alleine unterwegs mit den Rädern, im Wasserpark, im Donaupark, der damals gerade fertig gebaut worden war, und im Überschwemmungsgebiet – das war auch sehr schön. Wir waren in der Alten Donau baden. Die Eltern haben gar nicht gewusst wo wir unterwegs waren. Und niemand hat sich Sorgen gemacht und gefragt: Wo bist du? Wir waren einfach frei. Und am Abend waren wir wieder da. 

Julia: Und wie hat sich der Bruckhaufen seit damals verändert?

Renate: Mit dem Donaupark bin ich sehr verbunden. Dort kenne ich jeden Winkel. Er ist inzwischen sehr verkleinert worden. Früher gab es rund herum einen Sessellift, drei Etappen durch den Park. Leider ist er dann abgebaut worden. Es gab auch eine Eislaufhalle, Wasserfall, Feuerwerk bei Anlässen... Damals hatten wir außerdem Geschäfte hier. Es hat ja keiner ein Auto gehabt. Oder wenige. Also haben wir hier ein Lebensmittelgeschäft gehabt und eine Trafik. Sogar einen Frisör. Fleischhauer. Und jetzt ist nichts mehr da. Gar nichts. Weil jeder ein Auto hat, die meisten Familien sogar zwei. Und damit fahren sie in den Supermarkt.

Nach wie vor fühlt sich Renate sehr mit dem Ort ihrer Kindheit und Jugend verbunden. Es sei ihr Herzenswunsch gewesen eines Tages hier her zurückzukehren und das Elternhaus zu übernehmen. Warum das nicht ganz so einfach war und ist, liest man im vollständigen Interview von Julia auf lieblingsleben.blog!

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LG